Tattoo- und Fetischmodel Florence Nightinghell im Interview

24. April 2011

Tätowierungen gehören heutzutage schon beinahe zum guten Ton und sind unter weiten Teilen der Bevölkerung ein beliebtes Mittel, um seine eigene Persönlichkeit auszudrücken. Und auch Fetisch-Mode hat sich, spätestens seit Madonna öffentlich mit Overknee-Stiefeln auftrat und Dita von Teese zum Weltstar wurde, in unserem Alltag etabliert.

Und doch gibt es eine Szene von Leuten, die das Spiel mit der Körperkunst weiter treiben als andere; in den letzten zwei Jahren prangte öfters das hübsche Lächeln einer Österreicherin, die unter ihrem Künstlernamen “Florence Nightinghell” bekannt ist, von den Covern diverser Tattoo- und Lifestylemagazine. Grund genug genug für uns, die Dame zum Interview zu bitten und ihr mit ein paar Fragen etwas auf den Zahn zu fühlen.

Schrm

Mal romantisch: Lady in Red in verträumter Pose. (Foto: Andreas Esterer)

Rockefeller-News: Hallo Florence! Nett, dass du dir die Zeit genommen hast – starten wir gleich los: Wann hast du dein erstes Tattoo machen lassen, und warum?
Florence Nightinghell: Bei meinem ersten Tattoo war ich 15, ich habe das Tattoo immer noch, auf dem Schulterblatt. Es ist ein indisches Zeichen für sexuelle Energie; gemacht hab ich das weil zu der Zeit meine eigene Sexualität gerade so richtig erwacht ist. Als Trägerin des Tattoos strahle ich das dann natürlich auch aus – also war es für mich nur logisch, mir das stechen zu lassen.

Rockefeller-News: Hat es dann lange gedauert bis du dir das nächste hast stechen lassen?
Florence Nightinghell: Zwei ganze Jahre hat das gedauert! Am Anfang war das noch generell der Abstand zwischen neuen Tattoos, auch finanziell bedingt – alle 2 Jahre mal was Neues.

Rockefeller-News: Doch dann wurden die Abstände kürzer.
Florence Nightinghell: Ja, es stimmt wirklich, tätowiert zu werden, das ist wie eine Sucht. Irgendwann hat man einfach die fixe Idee dass man unbedingt ein neues Tattoo will, und der Wunsch dann wird immer stärker – eben solange, bis die Nadel Abhilfe verschafft. (schmunzelt)

Rockefeller-News:: Ab wann bist du dann regelmässig zum tätowieren gegangen? Beziehungsweise, wann fiel der Entschluss, jetzt mal einen ganzen Arm oder ein ganzes Beim tätowieren zu lassen?
Florence Nightinghell: Der Entschluss stand für mich schon sehr lange fest; ich habe dann allerdings gezögert, denn ich war früher in einer Beziehung mit einem Partner dem das eigentlich gar nicht gefiel, da habe ich mich ein bisschen zurückgehalten. Der Mann mit dem ich jetzt verheiratet bin ist glücklicherweise erstens Musiker – und somit ein sehr offener Mensch – und zweitens selber ganz ordentlich tätowiert, den stört das nicht – im Gegenteil.

Rockefeller-News:: Und du siehst dich selber irgendwann in der Zukunft als ganzkörpertätowiert?

Mal trashy im Posing mit Tattoo-Ikone Horst Trippel. (Foto: Markus Seil/against-all-odds)

Mal trashy im Posing mit Tattoo-Ikone Horst Trippel. (Foto: Markus Sell/against-all-odds)

Florence Nightinghell: Natürlich! Das wird sicher mein ganzes Leben andauern, dass ich mich immer weiter tätowieren lasse. Ich muss das Tempo, in dem ich mich verzieren lasse jetzt etwas rausnehmen, damit ich in späteren Jahren noch Haut übrig habe, die ich mir stechen lassen kann!

Rockefeller-News: Mal eine ungewöhnliche Frage, weil ich das auch schon mal irgendwo gelesen habe: Kannst du dir vorstellen nach deinem Tod deine Haut konservieren zu lassen?
Florence Nightinghell: So schräg es klingt – ja. Die Bilder auf meiner Haut sind Kunstwerke, und ich fände es toll wenn die für spätere Generationen konserviert werden.

Rockefeller-News: Wo tut es am meisten weh, wenn man sich tätowieren lässt?
Florence Nightinghell: Das ist bei jedem anders; bei mir ist es die Gegend um den unteren Rückens, dort tut es mir am meisten weh – obwohl ich sonst nicht so empfindlich bin.

Rockefeller-News: Hast du ungefähr eine Ahnung wieviel Geld schon in Form von Farbe in deine Haut gestochen wurde?
Florence Nightinghell: Auf jeden Fall ein gutes kleines Auto; ich habe bei 5. 000 Euro aufgehört zu zählen, aber es dürften inzwischen sicher schon über 10.000 Euro sein.

Rockefeller-News: Ist das Gesicht eine Grenze?
Florence Nightinghell: Ich kenne viele Frauen (Modelfreundinnen) die im Gesicht tätowiert sind (kleine Sternchen oder ähnliches) aber für mich ist das nichts.

Romantisch-erotisches Posing liegt der hübschen Österreicherin im Blut. (Foto: Tigerlilly Photography)

Erotisch-verträumtes Posing liegt der hübschen Österreicherin sowieso im Blut. (Foto: Andreas Esterer)

Rockefeller-News: Kannst du verstehen, dass es auf manche Leute abstossend wirkt, wenn sie jemanden sehen der so heftig tätowiert ist?
Florence Nightinghell: Im Prinzip ja…..Geschmäcker sind eben verschieden. Nerven tut es mich allerdings wenn Leute offen drüber lästern; gerade im Sommer, wenn ich im Bikini am Baden bin, nervt es. Es kann sich jeder denken dass es ihm nicht gefällt, aber man muss sich mir diesbezüglich nicht unbedingt mitteilen, ich kann auf dieses Wissen verzichten! Ich kenne auch Leute deren Tattoos mir überhaupt nicht gefallen, trotzdem würde ich denen das nie hinterherrufen – immerhin muss jeder selber damit klarkommen.

Rockefeller-News: Was ist der Unterschied zwischen tätowierten und nicht tätowierten Menschen?
Florence Nightinghell: Das kann ich nicht genau sagen – für mich war es immer so, dass ich mich irgendwie nackt, unkomplett gefühlt habe, als ich noch nicht oder erst kaum tätowiert war.

Rockefeller-News: Fallen dir die vielen bunten Bilder auf deiner Haut überhaupt auf, wenn du in Spiegel schaust?
Florence Nightinghell: Eben nicht – wenn ich in den Spiegel sehe dann sehe ich nur Florence, meine eigenen Tattoos fallen mir dabei gar nicht auf, die gehören einfach zu mir.

Rockefeller-News: Wie bist du denn zum Modeln gekommen?
Florence Nightinghell: Also eigentlich – ganz Mädchen, das ich bin, war ich immer schon Model, als kleines Kind schon vor der Kamera meines Vaters. (lacht) Richtig aufgekommen ist der Wunsch dann erst vor etwa 3 Jahren; ergeben hat sich das eigentlich durch Zufall. Bei Tattoo Conventions wurde ich von Fotografen darauf angesprochen, ob ich nicht mal vor einer Kamera posieren möchte – tja, und so kam das dann zustande. Und mein Mann hat über eine gemeinsame Freundin auch noch Connections aufgetan und ein bisschen ge-networkt in meinem Sinne.

Rockefeller-News: Ist es schwer da reinzukommen?
Florence Nightinghell: Wie gesagt, bei mir wars Zufall, und seit eineinhalb Jahren bin ich recht gut ausgebucht.

Macht auch als Blumenkind eine tolle Figur: Florence Nightinghell. (Foto: Tigerlilly Photography)

Macht auch als Blumenkind eine tolle Figur: Florence Nightinghell. (Foto: Tigerlilly Photography)

Rockefeller-News: Kann man davon Leben?
Florence Nightinghell: (Lacht) Nein, so wie es jetzt im Moment ist auf keinen Fall; ich arbeite als Altenpflegerin und nehme nur die Jobs an, die ich neben diesem Brotberuf auch leicht annehmen kann. Es ist mehr ein kleines Taschengeld das ich mir dazu verdiene – als Frau ist es natürlich toll wenn man bei einem Shooting Klamotten, Schuhe, etc. bekommt, die man dann behalten kann.

Rockefeller-News: Und du bist wahrscheinlich über deine Tatoo-Model-Shootings auch an die Fetisch-Aufträge rangekommen?
Florence Nightinghell: Genau! Und zwar liegt mir persönlich Fetisch-Mode sowieso, ich steh’ da drauf. Die Fotografen sagen vor einem Shoot immer:“Bring einfach genug Klamotten mit“; dann hatte ich mal jede Menge Fetisch-Kleidung eingepackt, und die Fotos die dann entstanden kamen dann so gut an dass sich der Rest wie von selber ergeben hat.

Rockefeller-News: Was diese Fotos von „herkömmlichen“ Modelfotos unterscheidet, ist dass da ziemlich viel Wert auf Geschichte und Ambiente gelegt wird, also da wird nicht einfach nur eine Frau in bestimmten Kleidern geknipst, sondern eine kleine Geschichte mit jedem Foto erzählt – geht das nur von den Fotografen aus, oder hast du da selber auch Einfluss?
Florence Nightinghell: Oft ist es so, dass Fotografen eine ganz genaue Vorstellung haben, die sie umgesetzt haben wollen. Zu 70% hab ich als Model aber schon – gerade in dieser Tattoo/Fetisch-Szene – einen Einfluss und kann meine Gedanken einbringen.

Rockefeller-News: Wirst du lieber von einer Frau geshootet oder von einem Mann – oder ist dir das egal?
Florence Nightinghell: Das ist mir egal! Für mich ist wichtig, dass der- oder diejenige das Handwerk versteht und mit derselben Freude und Leidenschaft bei der Sache ist wie ich selber.

Florence fungiert nicht nur als Kleiderständer: Jedes Shooting sind erzählt eine andere, phantasievolle Geschichte. (Foto: Tigerlilly Photography)

Florence fungiert nicht nur als Kleiderständer: Jedes Shooting erzählt eine andere, phantasievolle Geschichte und erfordert ein gewisses schauspielerisches Talent. (Foto: Andreas Esterer)

Rockefeller-News: Gibt’s irgendwas was du dir nicht vorstellen könntest zu machen – ganz nackt zum Beispiel?
Florence Nightinghell: Ich habe schon zweimal Akt und einmal Teil-Akt gemacht, allerdings bisher immer nur als Gefälligkeit für den Fotografen. Generell möchte ich nicht als Aktmodell arbeiten – wenn natürlich ein super Fotograf daherkommt, dann ist immer alles möglich.

Rockefeller-News: Was gibt es aus deiner persönlichen Perspektive über die Tattoo- und Fetisch Community sonst noch zu sagen?

Florence Nightinghell: Die Szene wird immer größer; ich sehe schon viele Mädels mit zum Teil sehr großflächigen Tattoos; allerdings trauen sich offenbar nur wenige davon zu modeln, gerade hier in Vorarlberg. Zum Glück gibt es Social Networks, so dass man mit Models und Künstlern aus anderen Teilen der Welt in Verbindung bleiben kann – so kommt man auch gut zu neuen Aufträgen.

Rockefeller-News: Und du bist mit anderen Models in Kontakt?
Florence Nightinghell: Natürlich, schon bei meiner Agentur „Against all odds“-Models lerne ich viele nette Leute kennen – es ist auch so, dass ich schon von Models angeschrieben wurde, die mit mir zusammen ein Shooting machen wollten.

Rockefeller-News: Florence, wir bedanken uns ganz herzlich für das interessante Interview und wünschen dir weiterhin viel Glück und dass du viel gebucht wirst!
Florence Nightinghell: Vielen Dank! Und Happy Easter an Alle!

Florence Nightinghell Booking & Kontakt:

facebook
aaomodels.de

(rockefeller-news/md)

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