Politiker und Kulturschaffende für die Freilassung von Ai Wei Wei

28. April 2011

Im Hof der Galerie neugerriemschneider wurde gestern dieses Transparent aufgehängt; Werke des Künstlers werden ab Freitag ebendort ausgestellt. (Foto: Michael Gottschalk/dapd)

Am 3. April war der chinesische Konzeptkünstler Ai Wei Wei von den chinesischen Behörden am Flughafen von Peking verhaftet worden; seitdem fehlt von dem als Regierungskritisch bekannten Künstler jede Spur. Offiziell werden ihm von den chinesischen Machthabern Wirtschafsdelikte vorgeworfen – ein einfacher Vorwand, um einen unliebsamen Kritiker wegsperren zu können.

Seit der Verhaftung Ai Wei Weis befindet sich die chinesische Regierung jedoch unter permanentem Druck – westliche Regierungen und Kulturinstitutionen werden nicht müde, sich an den höchsten chinesischen Stellen für den Künstler einzusetzen. So hatte man Ai Wei Wei unter anderem eine Gastprofessur an der Berliner Akademie der Künste angeboten, wohl wissend, dass die cinesische Regierung bei diesem Spiel nicht mitspielen würde.

Kurzfristig war sogar überlegt worden, die derzeit im Nationalmuseum in Peking gastierende Ausstellung „Die Kunst der Aufklärung“ vorzeitig wieder abzubrechen, um ein deutliches Zeichen zu setzen; aufgrund der komplexen Art der Beziehungen wurde der Plan jedoch wieder verworfen.

Egon Bahr (SPD), ehemaliger Bundesminister,
warnte davor, „ein solch großes Land in seinem Prestigebedürfnis” zu verletzen. Dieser Satz in schönstem Diplomaten-Jargon bedeutet übersetzt, dass hier einmal mehr aus wirtschaftlichem Kalkül starke Bedenken vorherrschen, das Richtige zu tun.

Weltweit gibt es jedoch genug “einfache Menschen”, die sich unerschrocken für den Künstler einsetzen:

Und so hatten sich am Dienstagabend in der Akademie am Pariser Platz erneut über 400 Persönlichkeiten aus Kultur und Politik versammelt, um ihrer Anteilnahme am Schicksal des Künstlers Ausdruck zu verleihen. Mit geharnischter Kritik an der chinesischen Führung eröffnete Kulturstaatsminister Bernd Neumann den Abend:“ Ich bin hier, um meine Solidarität mit Ai Wei Wei zu bekunden. Seine plötzliche Inhaftierung führt uns vor Augen, dass Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und vor allem die Freiheit der Kunst in China grob missachtet werden“.

Klaus Staeck, der Präsident der Akademie, sagte dass er an die subversive Kraft der Kunst glaube und wertete die Verhaftung als „Zeichen ungeheurer Schwäche“ des chinesischen Machtapparates. Da dürfte er wohl vielen aus der Seele sprechen; für Westeuropäer ist es kaum nachvollziehbar, dass ein einzelner Mann wegen regierungskritischer Äußerungen, wie sie in europäischen Staaten täglich in verschiedenen Zeitungen zu lesen sind, so gefährlich sein soll, dass man ihn wegsperren muss.

(dapd; rockefeller-news/md)

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