Fünf Tage lang ist Davos Zentrum der Welt!
23. Januar 2012
Zwischen mondänen Hotels mit Zimmern für 500 Euro pro Nacht und den für das Weltwirtschaftsforum errichteten Sicherheitszäunen haben in diesem Jahr einige unverdrossene Aktivisten ihr Protestlager aufgeschlagen. Von der “Occupy Wall Street”-Bewegung inspiriert, schlugen sie sich durch die Sicherheitskontrollen in den Nobelskiort durch und bauten vor den Tagungsstätten der Reichen und Mächtigen ihre Iglus und Zelte auf.
Die rund 2.600 VIPs, die in diesem Jahr nach Davos kommen – darunter knapp 40 Staats- und Regierungschefs, 18 Zentralbankchefs und hunderte Unternehmer und Firmenbosse – sind normalerweise gut abgeschirmt von ihren Kritikern. Doch in diesem Jahr scheint selbst das Wetter den Aktivisten in die Karten zu spielen. “In den vergangenen 42 Jahren hab ich noch nie so viel Schnee in Davos gesehen”, twitterte der Gründer des am Mittwoch beginnenden Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab. “Perfekt, um Iglus zu bauen”, schrieben die Occupy-Davos-Aktivisten zurück.
Die Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums werden sich bis Sonntag nicht nur mit den Aktivisten vor ihrer Tür auseinandersetzen müssen. Das Vertrauen der Menschen in die Wirtschaftsbosse, die Politiker und die Systeme, für die sie stehen, hat während der Krisen der vergangenen Jahre gelitten. Unsicherheit in der Eurozone, in Afghanistan, Syrien und Nordkorea bestimmen die Schlagzeilen.
Währen auf den Bühnen in Davos die großen Probleme der Weltwirtschaft erörtert werden, werden sich viele der dort anwesenden Geschäftsleute jedoch in kleinerem Rahmen auf vertrautem Terrain tummeln und Geschäfte machen. Von jeher ist das Forum in Davos auch eine riesige Kontaktbörse.
Politiker aus aller Welt werden für Investitionen in ihre Länder werben, Investoren werden auf der Suche nach vielversprechenden jungen Unternehmern sein und Ausschau nach dem nächsten heißen Trend halten. Die Realität von Davos sei die, dass es vor allem als Ort für Geschäfte immer gut sei, sagt die französische Politikanalystin Dominique Moisi.
Angeschlagener Star Europa
Europa ist der angeschlagene Star des diesjährigen Weltwirtschaftsforums. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird die Eröffnungsrede halten und möglicherweise ihren Kurs für die Eurokrise darlegen. Doch so omnipräsent dieses Thema in den deutschen Medien ist, die europäische Schuldenkrise wird in Davos nur ein Aspekt unter mehreren sein.
Vier Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise ist das Wirtschaftswachstum in den meisten Industrienationen noch immer kraftlos. Viele Menschen in Europa und den USA – vor allem die Arbeitslosen – fühlen sich von der Antwort der Politiker auf die Krise verraten. In ihren Augen unterstützen die Regierungen genau diejenigen Banker und Finanzakteure, die in erster Linie für die Krise verantwortlich gemacht werden. In den Industrie- wie den Schwellenländern geht die Einkommensschere immer weiter auf.
Die Occupy-Demonstranten tragen die Sorgen der Menschen direkt vor die Haustür des Forums. Die wenigen Aktivisten, die die Reise in den abgelegenen Ferienort gemacht und es an den zahlreichen Sicherheitskontrollen vorbei geschafft haben, müssen sich dort erst einmal ihre Behausungen selbst bauen. Fünf Leute müssen für ein Iglu fünf Stunden lang Schneeblöcke schneiden und zusammensetzen.
“Wir veranstalten kleine Aktionen im Dorf. Wir werden die Dinge ein wenig durcheinanderbringen”, verkündet Organisator David Roth, Präsident der Schweizer Jungsozialen. Mit einem Banner verleihen sie ihrem Frust Ausdruck: “Wenn Wahlen etwas ändern würden, dann wären sie verboten”.
Auf der Suche nach “neuen Modellen”
In Davos begeben sich die Teilnehmer auf die Suche nach dem, was die Organisatoren “neue Modelle” nennen. Die alles überspannende Frage wird sein, wie trotz wachsender Schuldenberge und sinkendem Vertrauen der Märkte Wirtschaftswachstum generiert werden kann.
Von dem Forum abschließende Antworten auf die großen Fragen zu erwarten, ist ohnehin unrealistisch. “Wir sind auf der ganzen Welt verzweifelt auf der Suche nach Menschen, die Lösungen anzubieten haben”, sagte Schwab. Mit etwas Glück kommen einige von ihnen nach Davos.
(rockefeller/dapd)
« Schlecker geht in die Insolvenz!Twitter kommt nach Deutschland »










