Cyber-Security: Von der virtuellen Gefahr zum echten Problem
03. Februar 2012
Längst stehen sowohl Privatcomputer als auch Firmennetzwerke im Visier
Mehr als zwei Milliarden Menschen nutzen das Internet, alle großen Unternehmen auf der Welt sind heute für ihre Geschäfte auf das World Wide Web angewiesen – doch das wurde nie als Sicherheitsnetz geschaffen. Nicht dafür, um sicher an der Börse zu handeln, sicher Stromnetze zu steuern, sicher neue Produkte zu entwickeln oder sicher eigene Soldaten einzusetzen. Deswegen sind mit der schönen neuen Internetwelt Begriffe verbunden wie Cyber-Crime, Cyber-Terror, Cyber-Spionage und Cyber-War – die Grenzen sind fließend. Die Attackierten im Überblick:
Privatnutzer zu Hause: Ihre Computer werden mithilfe von Schadprogrammen manipuliert, sodass diese – ohne dass man etwas davon mitbekommt – ferngesteuert für weitere Computerattacken, sogenannte DDoS, missbraucht werden können. Oder es werden beim Online-Einkauf die Kreditkartendaten, beim Online-Banking die Passwörter ausgeforscht.
Die Wirtschaft: Nach einem Bericht für den US-Kongress vom vergangenen Herbst verursacht die Cyber-Spionage allein in US-Unternehmen jährlich einen Schaden von 2 bis 400 Milliarden Dollar. Das hängt davon ab, welcher Maßstab zur Ermittlung des Werts einer gestohlenen Produktidee oder Geheimformel anlegt wird.
Wenn ein Unternehmen etwa bei der Ausschreibung zur Erschließung eines Ölfeldes die Höhe und Details des eigenen Angebots nicht vor der Konkurrenz schützen konnte. Die Computersicherheitsfirma Symantec berechnete die Folgekosten eines Dateneinbruchs im Jahr 2010 mit 7,2 Millionen Dollar.
Behörden und Regierungen: Das Bundeskanzleramt, die Bundespolizei, die gesamte Regierungskommunikation in Deutschland wurden und werden attackiert. Dem US-Geheimdienst CIA wurden hochsensible Daten geklaut, aus dem US-Verteidigungsministerium wurden Informationen zum neuen geheimen Jagdflugzeug F-35 abgezapft. Wissen, an dem das Wohl und Wehe ganzer Nationen hängt, kann heute in wenigen Sekunden auf die andere Seite der Welt transferiert werden.
2007 wurde Estland aggressiv im Cyberspace bestürmt und für Tage lahmgelegt. Das Jahr darauf wurde im ersten Cyber-Krieg der Geschichte Georgien angegriffen. Während die russischen Panzer Richtung Tiflis rollten, wurde auch im Cyberspace scharf geschossen. Regierungs- und Medienseiten wurden blockiert und gekapert, Fehlinformationen gestreut, Kommando- und Kontrollfunktionen gestört.
Die Angreifer im Überblick
Hacktivisten: Zunehmend machen einzelne Hacker oder Gruppen wie “Anonymous” Schlagzeilen, weil sie das Internet nutzen, um darin politisch zu wirken. Feindschaft gegen Israel äußert sich in Attacken auf die Homepages der El-Al-Fluglinie oder der Börse in Tel-Aviv. Kritik an angeblichen Eingriffen in die Internetfreiheit mündet in massiven Angriffen auf Regierungshomepages, was jüngst FBI und US-Justizministerium erfahren haben.
Cyber-Kriminelle: Ihnen geht es nur darum, Geld zu machen. Mit Erpressung, Betrug, Diebstahl von Bank- oder Kreditkartendaten. Experten stellen fest, dass die Zahl der kriminellen Angriffe steigt, während die dafür notwendige Expertise abnimmt. Programme zum Hacking oder auch die sogenannte Schadsoftware muss heute nicht mehr selbst entwickelt werden. Sie steht vielfach im Netz bereit, teils gegen wenig Geld. Daneben bieten Profi-Hacker ihre Dienste an.
Staaten: Ganz oben auf der Liste der Länder, die einen Spionage- und Cyber-Kleinkrieg führen, steht China. Erst Ende Januar warnten drei ehemalige hohe US-Regierungsmitglieder davor, dass China eine eigene Strategie zur Wirtschaftsspionage im Cyberspace betreibe und “heute der aktivste und hartnäckigste Anwender von Cyber-Spionage auf der Welt” sei. Dafür unterhält es eine eigene Cyber-Truppe in der Armee und unterstützt auch den Datendiebstahl durch Unternehmen.
Ein Trick ist, auf Messen als Werbegeschenk mit Schadprogrammen präparierte USB-Sticks zu verschenken. Sie öffnen heimlich ein Internet-Hintertürchen, sobald sie am Firmennetzwerk hängen.
China geht es dabei um strategische Vorteile im 21. Jahrhundert. Statt Ideen und Innovationen selbst zu entwickeln, stiehlt es diese lieber. Mit ihrer gigantischen günstigen Arbeiterreserve produziert es sie dann schneller und billiger als die Konkurrenz. Aber auch Russland, Israel, zunehmend Iran und natürlich die USA spielen hier eine Rolle. Das US Cyber Command verhehlt keineswegs, dass es zu einem Cyber-Angriff auch selbst fähig wäre.
(rockefeller-news/dapd)
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