Die Königin der Oscar-Nominierungen Meryl Streep
13. Februar 2012
Zum 17. Mal ist Meryl Streep in diesem Jahr für einen Oscar nominiert. Margaret Thatcher könnte ihr dabei helfen, endlich ihre dritte Trophäe mit nach Hause nehmen zu können. Den Golden Globe, ihren achten, hat die US-Schauspielerin für ihren Part als “Die Eiserne Lady” bereits gewonnen.
Sie sei überglücklich, überhaupt noch solche Rollen wie die der früheren britischen Premierministerin angeboten zu bekommen, sagte die 62-Jährige in einem Interview. “Eigentlich hatte ich damit gerechnet, mich mit 40 zu Ruhe zu setzen, weil es für Schauspielerinnen ab diesem Alter nichts Nennenswertes mehr im Kino zu spielen gab.”
Ende Februar wird sich zeigen, ob die grandiose und meistnominierte Schauspielerin aller Zeiten, die sich über Arbeitsmangel nicht beklagen kann, nach rund 30 Jahren wieder einen Oscar bekommt. Zunächst wird sie am Dienstag (14. Februar) auf der 62. Berlinale mit einem Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk geehrt. Einen Silbernen Bären hat sie bereits in ihrer Sammlung: 2003 erhielt sie diesen Preis zusammen mit Julianne Moore und Nicole Kidman für “The Hours”.
Hommage auf der Berlinale
In einer Hommage zeigt das Festival nun sechs von Streeps über 40 Filmen, darunter “Kramer gegen Kramer” (1979), “Jenseits von Afrika” (1985), “Robert Altmans Last Radio Show” (2006) und “Sophies Entscheidung” von 1982. Für ihre Hauptrolle als Auschwitz-Überlebende hatte sie seinerzeit ihren zweiten Oscar erhalten. Ihr Talent, “das mit Leichtigkeit zwischen dramatischen und komödiantischen Rollen wechselt, hat vielfältige Facetten”, lobt Berlinale-Direktor Dieter Kosslick.
Ihr komisches Talent konnte die in einer Kleinstadt im US-Bundesstaat New Jersey geborene Tochter eines Pharma-Managers und einer Grafikerin in den vergangenen Jahren unter anderem mit “Julie & Julia” und “Mamma Mia” unter Beweis stellen. Als alleinerziehende Mutter in Latzhosen sang und tanzte sie sich unter der Sonne Griechenlands in dem Abba-Musical weltweit an die Spitze der Kinocharts.
Früher hatte sie sich vor allem mit ernsthaften Rollen einen Namen gemacht. Wie auch die Modesatire “Der Teufel trägt Prada” gezeigt hat, scheint Streep zur Freude ihres Publikums mit dem Alter den Spaß an leichteren Themen entdeckt zu haben.
Respekt von Kollegen
Ihren Durchbruch und die erste Oscar-Nominierung hatte Streep nach dem TV-Mehrteiler “Holocaust” 1979 mit dem Vietnamkriegsfilm “Die durch die Hölle gehen” (“The Deer Hunter”) an der Seite von Al Pacino erreicht. Ihr Rekord bei den von Filmschaffenden selbst verliehenen Oscars verdeutlicht den tiefen Respekt, den Kollegen Streep entgegenbringen. Wo andere Schauspieler hart an ihren Rollen arbeiten müssten, habe Streep in ihrer Kunst einen Zustand der Mühelosigkeit erreicht, schwärmte etwa ihr “Jenseits von Afrika”-Kollege Robert Redford. Auf ewig dankbar ist Chris Cooper für Streeps Rat “Hör auf, zu jammern” während einer schweren Szene für das Drama “Adaptation”, das ihm später einen Oscar einbrachte.
Streep selbst hat für ihre Schauspielerei ein scheinbar einfaches Erfolgsrezept: “Zuhören ist alles.” Außerdem gehe es nicht darum, jemand anderes zu werden, sondern in einer Figur Ähnlichkeiten zu sich selbst zu entdecken, erklärte Streep, die während des Studiums an der Yale Drama School ihre Technik durch Stücke von Bertolt Brecht geschärft hatte.
Ihr Privatleben hat Streep immer aus der Öffentlichkeit herausgehalten. Seit 1978 ist sie mit dem Bildhauer Donald Gummer verheiratet. Das Paar hat einen Sohn und drei Töchter. Wie sie als vierfache Mutter Familie und Karriere unter einen Hut bekommen habe, wisse sie selbst nicht so genau, sagte sie in einem Interview. “Irgendwie hatte ich immer gewaltige Reserven.”
(rockefeller-news/dapd)
Tassilo
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