Poker um großherzogliche Kunstschätze
20. Februar 2012
Landesregierung und Donata zu Mecklenburg wollen sich bei Kaufverhandlungen nicht in die Karten gucken lassen
Die Zukunft der in den Museen des Landes gezeigten Kunstschätze der großherzoglichen Familie Mecklenburgs ist weiter offen. Nachdem der von der Landesregierung angestrebte Erwerb der Kunstgegenstände gegen Bargeld und im Tausch gegen Wald aus Landesbesitz 2011 geplatzt war, gerieten die Verhandlungen mit der Eigentümerin der Sammlung, Donata Herzogin zu Mecklenburg von Solodkoff, zunächst ins Stocken. “Es ist jetzt eine schwierige Situation eingetreten, die ich wegen der laufenden Neuverhandlungen nicht kommentieren möchte”, sagt die Herzogin dazu auf Anfrage.
Die Herzogsfamilie war 1945 enteignet worden und hatte die Stücke nach der Wende zurück übertragen bekommen. Dass die Kunstwerke sich noch in den Museen des Landes befinden, geht auf ein bis 2014 geltendes sogenanntes Nießbrauchrecht zurück, also das Recht, eine fremde Sache oder ein fremdes Recht zu nutzen. Bis dahin muss eine Einigung erreicht werden. Gutachter schätzen den Wert der rund 260 Gemälde, Plastiken, kunsthandwerklichen Kleinmöbel, Zieruhren und Prunkporzellan auf etwa 7,9 Millionen Euro.
Die Herzogin hatte sich bereits mit der Wald-Geld-Lösung angefreundet. Dass die schon 2002 unter dem damaligen Regierungschef Harald Ringstorff geplante Verkaufsabwicklung von dessen Nachfolger Erwin Sellering (beide SPD) vom Tisch gewischt wurde, stieß bei ihr auf wenig Verständnis. Insbesondere SPD und Linkspartei hatten Widerstand gegen einen Deal in dieser Form geleistet.
Wie die Landesregierung will sich auch die Herzogin bei dem Poker nicht in die Karten schauen lassen. Als erste Reaktion machte sie wegen der gescheiterten Verhandlungen eine schriftliche Forderung von rund 100.000 Euro Entschädigung bei der Landesregierung für ihr entstandene gutachterliche und anwaltliche Kosten auf. Die Entschädigungsforderung wird gegenwärtig in der Schweriner Staatskanzlei geprüft.
SPD und CDU sehen keinen Zeitdruck
Für zusätzliches Aufsehen sorgte, dass im Entwurf des Landeshaushaltes für 2012/13 kein Geld für einen Ankauf der Kunstgegenstände eingestellt ist. Kein Grund zur Aufregung signalisierten indes die Regierungsparteien SPD und CDU Ende Januar, das bedeute mitnichten einen Erwerbsverzicht.
Durch das Nießbrauchrecht für die Sammlung bestehe kein aktueller Finanzierungsbedarf. “Die Verhandlungen mit der großherzoglichen Familie werden unter Federführung des Kultusministeriums fortgesetzt und zu gegebener Zeit wird eine Entscheidung fallen”, versicherten die Fraktionschefs Norbert Nieszery (SPD) und Vincent Kokert (CDU).
In welche Richtung die neuen Verhandlungen gehen und zu welchem Ergebnis sie führen, ist offen. Illusorisch dürfte allerdings das Liebäugeln des Landes mit einer möglichen Schenkung, Stiftung oder Dauerleihgabe durch die großherzogliche Familie sein. Diese hatte bereits in den 90-er Jahren mehr als 100 schon rückübertragene und nicht unter das Nießbrauchrecht fallende Kunstgegenstände auf internationalen Auktionen gewinnträchtig versteigert.
Wenn vonseiten des Landes kein oder zu wenig Geld fließt, droht der Sammlung ganz oder in Teilen möglicherweise ähnliches. Zumal Sellering mit Verweis auf den Landesetat und den jährlich sinkenden Zuweisungen aus dem Solidarpakt bereits klarstellte, dass es in den nächsten Jahren “keinerlei finanzielle Spielräume gibt” und die Prämissen einzig und allein auf Schuldenabbau zu setzen seien.
Experte will Sammlung als Ganzes erhalten
Der Direktor des Staatlichen Museums Schwerin, Dirk Blübaum, betrachtet mit Sorge Versuche einzelner Politiker, die Sammlung als Sammelsurium von zweifelhaftem Wert abzustempeln. So etwa, wenn SPD-Fraktionschef Nieszery das abfällige Wort “Ölschinken” für die Gemälde der Sammlung fallen lässt. Dahinter steckt vermutlich die Strategie, die Sammlung unter Wert zu bekommen oder einen etwaigen völligen Ankaufverzicht präventiv als verschmerzbar hinzustellen.
Blübaum lässt das nicht gelten. Es gehe nicht in erster Linie um den speziellen künstlerischen Wert jedes Einzelstückes, sondern um die Sammlung in ihrer Gänze als Zeugnis ureigenster Landesgeschichte. Schon den Erwerb auf ausgewählte Einzelstücke zu reduzieren, wäre nach seiner Auffassung nicht vertretbar.
Der Direktor verweist auf das bereits erarbeitete Konzept für das Ludwigsluster Barockschloss. Dort soll nach vollendeten Restaurierungsarbeiten mecklenburgische Historie in einmaliger Weise präsentiert werden, auch unter Einbeziehung der großherzoglichen Sammlung. Da der Erwerb der Kunstsammlung jahrelang als sicher galt, würde ein Scheitern des Ankaufs auch die ursprünglich anspruchsvollen kulturhistorischen Pläne des Landes platzen lassen.
(rockefeller-news/dapd)
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