Teures Leben mit Sanktionen im Iran

29. Februar 2012

Obama überzeugt von Wirkung des Boykotts. (Foto: dapd)
Obama überzeugt von Wirkung des Boykotts. (Foto: dapd)

 

Wer dieser Tage ein einfaches Geschäft in Teheran besucht, bekommt schnell einen Eindruck, wie es sich in einem von den USA und Europa mit Wirtschaftssanktionen belegten Land lebt. Die Preise der Importgüter haben sich gegenüber dem vergangenen Jahr zwar verdoppelt – seien es südkoreanische Kühlschränke oder türkische Cracker – aber noch gibt es die ausländischen Waren.

Mag der Warenstrom aus der EU und den USA versiegt sein, bei den Gegenständen des täglichen Bedarfs sind längst chinesische Produzenten eingesprungen. Ein kurzer Streifzug durch die Läden bestätigt, was auf der Hand liegt: China ist in doppelter Hinsicht der Gewinner der Sanktionen. Weil sich das fernöstliche Land nicht an den Sanktionen des Westens beteiligt, kann China künftig als wichtigster Abnehmer iranischen Öls den Preis drücken. Und als Exporteur füllt China die Lücken, die der Wegfall westlicher Produkte in die Regale iranischer Läden reißt.

“Es gibt alles, was man braucht”, sagt Hasan Alaei, der überwiegend chinesische Lebensmittel importiert. Das Problem sei, dass die Sanktionen und der sinkende Wechselkurs des iranischen Rial die Kosten der Importe verteuere. Sein Kollege Siawasch Jagmaei sagt, die Kreditwürdigkeit iranischer Importeure sei durch die Sanktionen gegen die iranischen Banken rapide gesunken. “Unsere Handelspartner wissen das. Also wollen sie bar und sofort bezahlt werden. Im Voraus”, sagt er.

Krise kommt von innen über die Preise

Das treibt die Preise in die Höhe und schürt damit auch die Unzufriedenheit der Kunden draußen in den Läden und auf den Basaren. Die Sanktionen könnten dadurch einen indirekten Effekt auf die iranische Regierung haben, denn durch die indischen und chinesischen Zusagen für die Abnahme von Öl läuft zwar der Boykott des Westens zunächst ins Leere, aber der Volkszorn über steigende Preise könnte einen entscheidenden Faktor bei den Parlamentswahlen am 2. März darstellen.

Patrick Clawson vom Washington Institute für Nahostpolitik sagt: “Die wachsende interne Wirtschaftskrise dürfte das größte Problem für die Regierung werden. Sich dem Rest der Welt entgegenzustellen, ist die eine Sache. Den Druck von innen auszuhalten, ist etwas ganz anderes.”

Dabei haben die Iraner Erfahrung mit der Improvisation. In dem Land, das mit 75 Millionen Einwohnern etwa viereinhalb Mal so groß ist wie Deutschland, wird der größte Teil der Zivilluftfahrt von US-Flugzeugen des Typs Boeing 727 besorgt. Die Luftfracht befördern überwiegend amerikanische C-130-Maschinen. Beide Typen wurden in den 70er-Jahren angeschafft. Seitdem die ersten US-Sanktionen nach der Revolution der Mullahs 1979 griffen, dienen ausgemusterte Flugzeuge als Ersatzteillager.

Obama überzeugt von Wirkung des Boykotts

Bei der Ersatzteilversorgung für Autos hat der Iran kein allzugroßes Problem. Das Arbeitspferd auf iranischen Straßen ist der Paykan, ein viertüriges kantiges Mittelklasseauto, das als Lizenznachbau des britischen Hillman Hunter zwischen 1967 und 2005 nahezu unverändert im Iran gebaut wurde.

Anfang Februar beschwor der iranische Ölminister Rostam Kassemi den langen Atem seiner Landsleute. “Iran lebt seit mehr als 30 Jahren mit Sanktionen der USA und Europas. Wir werden uns kein Jota von unserer Position gegenüber dem Westen bewegen.” Dem hielt US-Präsident Barack Obama in einem Interview mit dem Fernsehsender NBC entgegen, dass die Sanktionen bereits eine unmittelbare Wirkung in der iranischen Bevölkerung erzielten: “Sie merken, dass sie eingeschnürt sind. Sie spüren den Druck”.

(rockefeller-news/dapd)

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