Deutsche Solarwirtschaft steht vor Marktbereinigung

04. April 2012

Bedeutet dies nun das Aus für etliche Erneuerbare-Energie Unternehmen. (Foto: T.Lohnes/dapd)
Bedeutet dies nun das Aus für etliche Erneuerbare-Energie Unternehmen. (Foto: T.Lohnes/dapd)

 

Nach einer Reihe von Firmenpleiten steht die unter Preisverfall und Billigkonkurrenz leidende deutsche Solarwirtschaft aus Sicht von Experten vor einer deutlichen Marktbereinigung. “Es wird weiter Schwierigkeiten in der Branche geben”, sagte Jan-Philipp Gillmann, Fachmann für Erneuerbare Energien bei der Commerzbank, der Nachrichtenagentur dapd. Allerdings müsse man die Branche, die auch mit der Kürzung von Fördergeldern kämpft, sehr differenziert sehen. “Man kann nicht alles schlecht reden”, erklärte Gillmann.

Der Solarkonzern Q-Cells aus Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt hat für heute (Dienstag) den Gang zum Insolvenzgericht angekündigt. Damit ist in wenigen Monaten nach Solar Millennium, Solon und Solarhybrid das vierte größere Unternehmen der Branche in die Pleite gerutscht.

“Die Bereinigung des Marktes ist gesund, aber natürlich ist es schlimm, was es da an Einzelschicksalen gibt”, sagte Gillmann. Der deutsche Markt sei rückläufig und leide unter Überkapazitäten. Nach einer Konsolidierung dürfte er sich aber tendenziell wieder stabilisieren. “Jede Firma muss jetzt sehen, wie sie sich auf die Marktbereinigung einstellt”, erklärte er.

Je nach Geschäftsmodell der Firmen wirken sich die Probleme der deutschen Solarbranche laut Gillmann unterschiedlich aus. “Die Maschinenbauer etwa sind nur mittelbar betroffen, denn sie liefern auch an asiatische Firmen”, sagte er. Größere Probleme hätten die Hersteller von Solarzellen und -modulen, die ohnehin schon einem harten Wettbewerb ausgesetzt seien. “Wenn jetzt der Heimatmarkt noch wegfällt, wird es schwieriger”, erklärte Gillmann.

Die besten Chancen haben dem Commerzbank-Analysten zufolge Firmen, die sich geografisch breit aufstellen. “Internationalisierung ist ein Erfolgsfaktor”, sagte Gillmann. Je stärker die Abhängigkeit vom deutschen Markt, desto größer seien die Schwierigkeiten.

Hoffnung für die darbende Solarwirtschaft hierzulande böten neu entstehende Märkte wie die USA oder Indien. “Die große Frage für eine deutsche Solarfima ist aber, ob sie etwa den Markt in Indien beliefern kann”, sagte Gillmann.

Q-Cells will Insolvenzantrag stellen

In der deutschen Solarbranche steht die vierte größere Pleite bevor. Das einstige Vorzeigeunternehmen Q-Cells will am Dienstag (3. April) beim Amtsgericht Dessau-Roßlau Insolvenzantrag stellen. In den vergangenen Monaten hatten die Firmen Solar Millenium, Solon und Solarhybrid diesen Schritt bereits vollzogen. Betroffen wäre am Standort Bitterfeld-Wolfen 1.700 Beschäftigte.

Am Wochenende war über eine mögliche Q-Cells-Pleite bereits spekuliert worden, nachdem das überschuldete Unternehmen aus Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt Ende vergangener Woche seinen Sanierungsplan aufgegeben hatte, der einen Finanz- und Schuldenschnitt vorsah.

Aktie von Phoenix Solar stürzt ab

Die Ungewissheit über die Zukunft der angeschlagenen Phoenix Solar hat die Aktie der Firma einbrechen lassen. Der Kurs des in keinem großen Aktienindex gelisteten Unternehmens sackte am Dienstagmorgen um mehr als ein Fünftel auf 97 Cent ab. Die Firma aus dem bayerischen Sulzemoos hatte am Montag mitgeteilt, dass sich die Verhandlungen mit den Gläubigern über die Finanzierung des notwendigen Umbaus verzögerten. Der im Dezember vorgelegte Restrukturierungsplan habe wegen der Einschnitte bei der Solarförderung überarbeitet werden müssen.

Damit reißen die schlechten Nachrichten aus der deutschen Solarbranche nicht ab. Mit Q-Cells aus Bitterfeld-Wolfen wollte am Dienstag eine weitere größere Solarfirma Insolvenz anmelden.

(rockefeller-news/dapd)

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