Auf den Zahn gefühlt – Kassen wollen strenger kontrollieren

11. April 2012

Krankenkassen wollen Zahnarztrechnungen genauer prüfen. (Foto: J.Meyer/dapd)
Krankenkassen wollen Zahnarztrechnungen genauer prüfen. (Foto: J.Meyer/dapd)

Die gesetzlichen Krankenkassen streiten mit den Zahnärzten über die Preise für zahnmedizinische Zusatzleistungen. Die Kassen fordern, den Eigenbeitrag der Patienten nicht mehr auf Grundlage der Gebührenordnung privater Versicherer zu berechnen und versprechen deutlich geringere Zuzahlungen. Die Mediziner reagierten am Dienstag empört und bezichtigten die Kassen, mit der Aktion von ihrem eigenen Unvermögen, die Kostenbeteiligung der Versicherten gering zu halten, ablenken zu wollen.

In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) müssen sich die Patienten an den Kosten teurer zahnärztlicher Leistungen wie Kronen, Brücken oder Plomben beteiligen. Die Kasse zahlt nur einen sogenannten Festzuschuss. Bei der Berechnung des Restbetrags orientieren sich die Zahnärzte jedoch in der Regel an einem Preiskatalog der Privaten Krankenversicherung (PKV).

Transparenz bei den Zahnarztrechnungen

Der Verwaltungsrat des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) kündigte deshalb an, künftig einen eigenen Zuzahlungskatalog erstellen zu wollen. Der stellvertretende Vorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Johann-Magnus von Stackelberg, versprach, dass die Versicherten bei einem GKV-Preiskatalog deutlich weniger zum Festzuschuss der Kassen zuzahlen müssten. Der “Süddeutschen Zeitung” sagte er: “Wir wollen endlich Transparenz bei den Zahnarztrechnungen.”

Zudem kündigte er an, dass die GKV künftig auch jenen Teil der Zahnarztrechnung kontrollieren wolle, den die Versicherten aus eigener Tasche zahlen müssten. “Dann kann sie prüfen, ob der Patient nicht zu viel bezahlen muss”, sagte er. Ein Patient könne nicht beurteilen, ob die Rechnung für die neue Zahnkrone richtig und angemessen sei. “Die Kassen bezahlen den Festzuschuss, aber die tatsächliche Rechnung, die der Patient für den privaten Anteil erhält, sehen sie nie.”

Zahnärzte blasen zum Gegenangriff

Die Zahnärzte reagierten gereizt. Die Forderung der GKV sei “absurd”, sagte der Vorsitzende der Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, Jürgen Fedderwitz. Die Versicherten hätten bereits “volle Kostentransparenz” bei der Abrechnung der privaten Leistungen. Die Zahnmediziner rechneten drei Viertel dieser Aufwendungen seit Jahren unverändert nach einem niedrigen Standardsatz ab, betonte er.

Die Verantwortung für die Höhe der von den Patienten zu tragenden Kosten sieht er dagegen bei den Krankenkassen selbst. Die Kassen hätten ihre Ausgaben für die zahnmedizinische Betreuung der Versicherten über die Jahre immer weiter zurückgefahren, sagte er. “Jetzt wollen sie ihre Leistungsschwäche kompensieren, indem sie Behandlungen kontrollieren, die sie gar nicht bezahlen.” Von der Bundeszahnärztekammer und dem Freie Verband Deutscher Zahnärzte kam ähnliche Kritik.

Lauterbach fordert Internet-Check

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach begrüßte die Initiative der Kassen. Er schlug vor, die Kassen könnten ihre Erkenntnisse über zu hohe Zahnarztrechnungen ins Internet stellen. “Denn es ist zwar schön, wenn die Kassen möglicherweise überhöhte Rechnungen prüfen”, sagte er und fügte hinzu: “Aber noch schöner wäre es, wenn man die Zahnärzte, die dazu neigen, unangemessen abzurechnen, meiden könnte.”

(rockefeller-news/dapd)

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