Der befürchtete Tsunami bleibt aus

12. April 2012

Geoforschungszentrum schliesst grossen Tsunami im Indischen Ozean aus. (Foto: K.Gabbert/dapd)
Geoforschungszentrum schliesst grossen Tsunami im Indischen Ozean aus. (Foto: K.Gabbert/dapd)

Zwei schwere Erdbeben vor der indonesischen Insel Sumatra haben am Mittwoch Tsunami-Warnungen ausgelöst und Panik unter den Bewohnern der betroffenen Gebiete verursacht. In der 2004 von einem Tsunami verwüsteten indonesischen Provinz Aceh flohen die Menschen in Autos und auf Motorrädern von der Küste in höher gelegene Gebiete. Wenige Stunden später wurden die Tsunami-Warnungen aufgehoben.

Der indonesische Präsident Susilo Bambang sagte zwei Stunden nach dem ersten Erdstoß der Stärke 8,6, es gebe keine Berichte über größere Wellen. “Aber wir bleiben wachsam.” Bisher gebe es keine Informationen über Verletzte oder größere Schäden in der Provinz Aceh. “Gott sei Dank.” Gegen 14.30 Uhr (MESZ) hob das Pazifische Tsunami-Warnzentrum der US-Wetterbehörde NOAA auf Hawaii seine Warnungen für den Indischen Ozean auf. In der indonesischen Hafenstadt Meulaboh wurde eine Welle von einem Meter Höhe gemessen.

Die US-Erdbebenwarte USGS erklärte, das Beben habe sein Zentrum etwa 22 Kilometer unter dem Meeresboden knapp 435 Kilometer von der Provinzhauptstadt Banda Aceh entfernt gehabt. Stunden später erschütterte ein Nachbeben der Stärke 8,2 die Region. Die Behörden gaben danach eine weitere Tsunami-Warnung heraus.

Entlang der Küste erschallten Sirenen und Warnungen wurden in Windeseile per Textnachricht über Mobiltelefone verbreitet. Obwohl teilweise chaotisch, begann die Evakuierung der Küstengebiete umgehend. Das Frühwarnsystem, das unter Federführung des Deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) für Indonesien entwickelt wurde, habe “optimal funktioniert”, sagte der Seismologe Winfried Hanka in Potsdam. Schon vier Minuten nach dem Beben sei die Warnung herausgegangen.

“Es schien ewig zu dauern”

In Banda Aceh brach Chaos auf den Straßen aus, als fast vier Minuten lang die Erde bebte. Patienten strömten aus den Krankenhäusern auf die Straße, einige hatten den Tropf noch in ihrem Arm. In einigen Stadtteilen fiel der Strom aus. “Es war nicht das stärkste Beben, das ich je gespürt habe”, sagte die 22-jährige Tut Tahmi. “Aber es schien ewig zu dauern.” Eine Stunde nach dem Erdstoß standen die Menschen noch immer vor ihren Häusern und hatten Angst, hineinzugehen. “Ich stand in der Dusche im vierten Stock meines Hotels”, sagte Timbang Pangaribuan dem Radiosender El Shinta in der Stadt Medan. “Wir rannten alle raus.” Er berichtete, ein Gast habe sich beim Sprung aus einem Fenster verletzt.

Der Erdstoß war in Singapur, Thailand, Malaysia und Indien zu spüren. An der malaysischen Westküste schwankten Hochhäuser eine Minute lang. Das indische Tsunami-Warnzentrum gab Warnungen für die Andamanen und die Nikobaren im Golf von Bengalen heraus. Das Pazifische Tsunami-Warnzentrum auf Hawaii warnte die übrigen Anrainerstaaten des Indischen Ozeans – neben Indonesien auch Australien, Kenia, Südafrika, den Iran und Singapur.

Der thailändische Katastrophenschutz ordnete die Evakuierung von sechs Provinzen entlang der Westküste des Landes an. Darunter waren die bei Touristen beliebten Gegenden Phuket, Krabi und Phang-Nga. Die deutschen Touristen aus den Strandhotels in der Region seien in Sicherheit gebracht worden, teilte der Touristikkonzern TUI mit. Die Hotels hätten ihre Gäste in höher gelegenes Terrain gebracht.

Horizontale Verschiebung der Erdplatten

In Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, liefen die Menschen in Panik auf die Straßen. Berichte über Schäden oder Opfer lagen nicht vor. Auf den Malediven wurden Häuser evakuiert. In der südindischen Stadt Tamil Nadu sperrte die Polizei den Strand ab und rief die Menschen per Lautsprecher zum Verlassen des Gebiets auf.

Der Seismologe Roger Musson erklärte, bei dem Erdbeben habe es sich um eine Horizontalverschiebung gehandelt. Dabei bewegt sich die Erde in horizontaler Richtung, sodass weniger Wasservolumen bewegt wird. Zuerst habe er das Schlimmste befürchtet. “Aber als ich gesehen habe, was für eine Art Erdbeben es ist, ging es mir viel besser.”

In der sogenannten Sumatra-Subduktionszone schiebt sich die Australische Platte mit einer Geschwindigkeit von etwa sechs Zentimetern pro Jahr unter die Sunda-Platte. Dadurch treten dort immer wieder sehr starke Erdbeben auf. In den kommenden Monaten sei mit weiteren Nachbeben zu rechnen, teilte die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover mit.

Dem gewaltigen Tsunami, der Weihnachten 2004 etwa 230.000 Menschen in der Region das Leben kostete, ging damals ein Erdbeben der Stärke 9,1 voraus. Die meisten Opfer gab es damals in Aceh.

Unmittelbar nach der jüngsten Tsunami-Warnung in Indonesien stand auch das Auswärtige Amt in Bereitschaft. Die deutsche Botschaft in Jakarta und das Krisenreaktionszentrum seien mit der Angelegenheit befasst und beobachteten die Entwicklung “sehr aufmerksam”, sagte ein Ministeriumssprecher am Mittwoch in Berlin.

Tsunamiwarnzentrum der US-Wetterbehörde: ptwc.weather.gov

Informationsseite des Auswärtigen Amts: url.dapd.de/7HAXVI

(rockefeller-news/dapd)

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