Milliardär Plattner spendiert Potsdam eine Kunsthalle

16. April 2012

Diskussion über Mercure-Hotel als möglichen Standort. (Foto: K.Gabbert/dapd)
Diskussion über Mercure-Hotel als möglichen Standort. (Foto: K.Gabbert/dapd)

 

Die brandenburgische Landeshauptstadt bekommt eine Kunsthalle. Das Gebäude samt Sammlung will Software-Milliardär und Mäzen Hasso Plattner stiften, wie die Stadt am Freitag mitteilte. Sie soll wechselnde Ausstellungen mit Bildern und Skulpturen sowie Plattners persönliche Sammlung von Kunst aus DDR-Zeiten beherbergen. Erste Reaktionen aus Potsdam waren durchweg positiv. Allerdings sorgte die Standortfrage für Diskussionen.

Geplant sei ein modernes Gebäude, teilte die Stadt mit und zitierte Plattner mit den Worten: “Ein Standort in der Stadt Potsdam wäre äußerst wünschenswert vor dem Hintergrund meiner Verbundenheit zum Havelland.” Er sei der festen Überzeugung, mit einer solchen Institution einen “besonderen Beitrag” zum Kulturleben Potsdams leisten zu können.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) zeigte sich erfreut über die Pläne. Dies sei nicht nur eine große Ehre für die Stadt Potsdam, sondern für das ganze Land Brandenburg, sagte er auf Anfrage. Das Bedürfnis nach einem Ort für moderne Kunst und zeitgenössische Künstler sei zweifellos vorhanden, betonte er. “Die Kunsthalle wird das kulturelle Leben der Landeshauptstadt nachhaltig bereichern.” Ebenfalls zustimmend äußerten sich Politiker der Linken, SPD und Grünen.

Diskussion über Standort

Bis zum Sommer hofft die Stadt eigenen Angaben zufolge, einen geeigneten Standort für den Bau zu finden. Plattner seien mehrere Vorschläge unterbreitet worden, darunter der Blücherplatz, die Schiffbauergasse, die Speicherstadt und der Lustgarten. Offiziell wollte sich die Stadtverwaltung nicht über einen favorisierten Standort äußern – dem Vernehmen nach soll dies aber der Lustgarten sein, auf dem das 17-stöckige Hotel Mercure steht.

Über den möglichen Abriss des Hochhauses aus den 1960er Jahren wird schon länger diskutiert. Erst Ende März hatte der Potsdamer Beigeordnete für Stadtentwicklung und Bauen, Matthias Klipp (Grüne), einen entsprechenden Vorschlag vorgelegt. Das Haus sprenge “jede Maßstäblichkeit” in der Potsdamer Mitte, heißt es darin. Es steht direkt gegenüber dem Alten Markt, auf dem derzeit das neue Brandenburger Parlament in den Umrissen des früheren Stadtschlosses errichtet wird. Das Gebäude erhält eine historische Fassade und ein Kupferdach, die ebenfalls mit Millionen-Aufwand von Plattner finanziert werden.

Kunsthistoriker Hans-Joachim Kuke vom Verein Potsdamer Stadtschloss ist der Meinung, das Mercure-Hochhaus müsse endlich verschwinden. Es sei gegen alle historische Vernunft gebaut worden, sagte er auf dapd-Anfrage. Ob an seiner Stelle die Kunsthalle entstehe, werde sich dann zeigen. Gegenüber dem Schloss sei durchaus ein moderner Bau denkbar, sagte Kuke. Er müsse sich aber rücksichtsvoll und intelligent mit dem Knobelsdorffbau arrangieren. Generell sei eine Kunsthalle aber eine tolle Idee.

Deutlich für den Bau der Kunsthalle an der Stelle des Mercure-Hotels plädierte auch der Potsdamer SPD-Fraktionsvorsitzende Mike Schubert. “Die SPD-Stadtfraktion wird den Oberbürgermeister Jann Jakobs bei seinen Bemühungen unterstützen, die Kunsthalle am Standort des Mercure-Hotels anzusiedeln”, teilte er mit. Die Landtagsfraktion der Grünen sprach sich ebenfalls dafür aus, die Kunsthalle auf dem Hotel-Grundstück anzusiedeln.

Hotelkonzern will Hochhaus nicht aufgeben

Der Hotelkonzern Accor, zu dem Mercure gehört, will das Haus eigenen Angaben zufolge nicht aufgeben. Derzeit liefen Gespräche mit dem Eigentümer über eine Verlängerung des Mietvertrags, der Ende des Jahres ausläuft, sagte Accor Europe-Sprecher Michael Kirsch. Angeblich hat der derzeitige Besitzer, der US-Investor Blackstone, signalisiert, das Gebäude verkaufen zu wollen. Die Stadt Potsdam besitzt ein Vorkaufsrecht.

Rückenwind bekamen die Hotelbetreiber vom Potsdamer Linksfraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg. “Das Mercure ist ein funktionsfähiges Hotel, das gut angenommen wird”, sagte er. Zudem müsse auch an die Belegschaft gedacht werden. Den Neubau einer Kunsthalle würde er ausdrücklich begrüßen. Allerdings dürfe die Offerte nicht mit dem Abriss des Hotels verknüpft werden.

(rockefeller-news/dapd)

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