Record Store Day – Vinyl wächst wieder

17. April 2012

Do It Yourself wird in der Musikbranche weiter zunehmen. (Foto: J.Schlüter/dapd)
Do It Yourself wird in der Musikbranche weiter zunehmen. (Foto: J.Schlüter/dapd)

 

An jedem dritten Samstag im April wird seit 2007 weltweit der Record Store Day begangen. Hintergrund der Aktion ist, den Beitrag der kleinen Plattenläden zur Indiekultur zu feiern. Ungeachtet des ständig wachsenden Online-Marktes für Musik verzeichnet auch die gute alte Schallplatte seit 2008 nach Angaben des Bundesverbandes Musikindustrie wieder ein stetiges Plus. Auch im Berliner Plattenladen Core Tex beobachtet man: “Es geht wieder nach vorn.”

Vinyl ist zwar weiter ein Nischenmarkt, Indie-Labels, die auf Platten setzen, haben oft aber treue Sammler- und Liebhaberkunden, die etwa die liebevolle Gestaltung schätzen. Labelmacher Frederic Klemm von Arctic Rodeo Recordings sagt: “Wir möchten den Leuten vermitteln, das es sich bei einem Album um ein Kunstwerk handelt.”

Do It Yourself wird in der Musikbranche weiter zunehmen

Die sogenannte Do-It-Yourself-Kultur wird sich nach Einschätzung des schwedischen Musikers Rodrigo Alfaro künftig noch stärker ausbreiten. “Das wird definitiv zunehmen”, sagte der Sänger der Band Atlas Losing Grip im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd. “Mit der heutigen Technik können Bands zu Hause wirklich gute Sachen aufnehmen, sie brauchen keine teuren Studios.”

Alfaro betonte: “Wenn man alles selbst macht, kann man davon leben, auch wenn man kein Mainstream-Musiker ist. Man kann auch von Musik leben, wenn man nicht im Radio gespielt wird.”

Der in Montevideo in Uruguay geborene Musiker betreibt in Schweden in Eigenregie seit 2004 das Liebhaber-Metallabel Blood Harvest inklusive Mailorder. Jedes Jahr veröffentlicht er 15 bis 20 streng limitierte und liebevoll gestaltete Platten auf Vinyl, die von treuen Kunden auf der ganzen Welt bestellt werden.

Alfaro betreibt das Underground-Label nicht zum Geldverdienen, sondern aus Leidenschaft: “Wenn ich Musik mag, will ich sie veröffentlichen.” Trotzdem kann er neben Atlas Losing Grip von den Einnahmen durch Blood Harvest leben: “Ich weiß nicht, wie viel ich mit dem Label verdiene, ich checke das nicht, aber es reicht aus.”

Ungeachtet der zunehmenden Digitalisierung gebe es noch immer viele Sammler von Vinyl – “die Leute, die dir helfen, deine Miete zu zahlen, wenn du Musiker bist”.

Die meisten Bands auf Blood Harvest sind aus Schweden und aus Südamerika, aber auch Malaysia und die Philippinen sind vertreten. In Chile oder Brasilien gebe es eine Vielzahl unterschätzter guter Bands, sagte Alfaro. Für diese sei es jedoch viel schwieriger, eine Platte zu veröffentlichen als für Bands in Europa oder den USA. “Sie haben dort nicht die gleichen Möglichkeiten, in einem guten Studio aufzunehmen. Und entsprechend bekommen sie nicht die Aufmerksamkeit und Wertschätzung wie Bands aus Europa oder den USA.”

(rockefeller-news/dapd)

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