Chinesischer Regierungschef will Geschäfte ankurbeln

21. April 2012

Deutschland profitiert vom Auto Boom. (Foto: N.Treblin/dapd)
Deutschland profitiert vom Auto Boom. (Foto: N.Treblin/dapd)

 

Wer wissen will, wie es mit dem Handel zwischen Hamburg und China läuft, muss nach Hamburg fahren, und zwar aus dem Süden mit dem Auto. Kurz vor dem Elbtunnel muss der Beobachter den Blick nach links richten zum Eurokai und Buchhardkai – und Schiffe zählen. Sind die Hafenbecken voll, läuft es gut. Stehen die Containerkräne still, eher nicht. Im Moment sind die Liegeplätze voll.

Jeder dritte Container des größten deutschen Hafens kommt aus oder geht nach China, allein im vergangenen Jahr wuchs das Aufkommen um neun Prozent. Und 2012 geht es offenbar weiter aufwärts, wie der Blick auf den Hafen verrät. China ist der zweitwichtigste Handelspartner Deutschlands bei Importen und der fünftwichtigste bei Exporten. Am Sonntag kommt der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao nach Hannover, um auf dem größten Messegelände der Welt den Warenaustausch weiter anzukurbeln.

Das Wirtschaftswachstum in China lag im ersten Quartal 2012 zwar auf dem niedrigsten Wert seit fast drei Jahren – mit 8,1 Prozent aber immer noch weit über dem Wachstum in Europa oder den USA. Analysten gehen davon aus, dass die zweitgrößte Wirtschaft der Welt im Laufe des Jahres neuen Schwung aufnehmen wird.

Zukäufe in Deutschland

Als Partnerland der diesjährigen Hannover Messe präsentiert China sein Modernisierungsprogramm für die nächsten Jahre. Regierungschef Wen hatte Mitte März gefordert, die Wirtschaft müsse weg vom Export billiger Massenwaren und hin zu mehr Dienstleistungen und höherwertigen Produkten. China macht Ernst mit dem Umsteuern: Immer mehr chinesische Investoren kaufen sich bei in deutsche Qualitätsunternehmen ein – wie zuletzt beim Automobilzulieferer Kiekert oder bei Putzmeister, einem führenden Hersteller von Betonpumpen.

Der Wirtschaftsinformationsdienst D&B geht allerdings davon aus, dass das kein Trend wird. “In Anbetracht prall gefüllter Kassen chinesischer Banken und Investoren bewegen sich die Investitionen zurzeit auf überschaubarem Niveau”, sagt Geschäftsführer Thomas Dold.

Laut D&B sind aktuell 57 deutsche Unternehmen mehrheitlich in chinesischem Besitz. Demgegenüber gehörten 1.098 chinesische Unternehmen einer deutschen Muttergesellschaft.

Deutschland profitiert vom Auto-Boom

Treibende Kraft für dauerhafte Investitionen in Deutschland sind neben den Barreserven des Staates verstärkt auch Regierungsbemühungen zum Ausbau Chinas zum Technologiestandort. Ein Schwerpunkt ist die Mobilität: China steckt Milliarden in die Entwicklung von Elektrofahrzeugen.

Beim Thema Auto sind wiederum die Deutschen stark: Jeder fünfte Wagen, der in China verkauft wird, ist von eine deutschen Konzernmarke, wie der Branchenverband VDA mitteilt. “In Deutschland und China wurden 2011 insgesamt 18 Millionen Pkw produziert, das sind nahezu 30 Prozent der Welt-Pkw-Produktion”, sagt Geschäftsführer Klaus Bräunig und spricht von einer “Win-win-Situation”.

Zwischen 2008 und 20122 habe die deutsche Automobilindustrie ihre Pkw-Produktion in China um mehr als 140 Prozent auf über 2,1 Millionen Einheiten erhöht. “Auch für die Beschäftigten am Standort Deutschland ist das China-Engagement lohnend”, sagt Bräunig. Der chinesische Markt werde 2012 auf 13 Millionen Autos zulegen, das sei aber noch nicht das Ende. “Heute kommen in China auf 1.000 Einwohner rund 30 Pkw, in Deutschland sind es 517.”

Das weiß auch Wen: Nach der Messe fährt er nach Wolfsburg, in die größte Autofabrik Europas zu Volkswagen. Dort wird der Bau der fünften VW-Autofabrik in China besiegelt.

(rockefeller-news/dapd)

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