Sonderausstellung zum 300. Geburtstag von Friedrich II. im Neuen Palais eröffnet

27. April 2012

 

Der "Nackte Voltaire" in Friedrichs Schloss. (Foto: K.Gabbert/dapd)
Der “Nackte Voltaire” in Friedrichs Schloss. (Foto: K.Gabbert/dapd)

 

Jahrelang wurde die Ausstellung zum 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen im Potsdamer Neuen Palais vorbereitet. Es wurden Archive durchstöbert, Möbel restauriert, Gemälde von Schmutz befreit und ganze Räume orginalgetreu wieder hergestellt. Am Donnerstag wurde die Schau feierlich eröffnet. Ab Samstag (28. April) ist sie auch für Besucher zugänglich.

Auf 6.000 Quadratmetern und mit zwölf Themenbereichen nähert sich die Ausstellung dem umstrittenen Preußen-König Friedrich. Ein 1,5 Kilometer langer Pfad zum Schutz der wertvollen Böden führt durch 72 Räume, einen vorgegeben Rundgang gibt es nicht. Der Besucher solle Friedrich selbst “auf die Schliche kommen”, erklärte der Historiker und wissenschaftliche Leiter der Schau, Jürgen Luh. Um die Orientierung zu erleichtern, gibt es ein ausführliches Begleitheft mit kurzen Beschreibungen zu den nummerierten Exponaten.

Der “Nackte Voltaire”

Zusätzlich zu den ohnehin zum Schloss gehörenden Kunstwerken wurden noch etwa 450 Leihgaben aus ganz Europa in das Neue Palais geholt, wie der wissenschaftliche Kurator der Ausstellung, Alfred Hagemann, sagte. Dazu gehört auch die Skulptur “Nackter Voltaire” von Jean-Baptiste Pigalle aus dem Pariser Louvre.

Die Marmorfigur zeigt einen Mann, der auf einem Baumstamm sitzt und lächelnd in die Ferne blickt. Lediglich sein linker Arm und sein Geschlecht sind durch ein Tuch bedeckt, ansonsten ist der nackte, dürre Körper eines alten Mannes zu sehen. “Die Skulptur wirkte auf die damaligen Betrachter verstörend und verursachte einen Skandal”, sagte Hagemann. Erst seit den 1960er Jahren wird sie öffentlich ausgestellt.

Ebenso zu Leihgaben zählt auch ein etwas verblüffendes Exponat: Das Skelett von Friedrichs letztem Pferd Condé. Inmitten des prunkvollen Schlosses steht es in einem Glaskasten und bleckt seine Zähne. Die Freie Universität Berlin hat es den Ausstellungsmachern geliehen, ist dort zu lesen.

Das Schloss aus Hauptexponat

Doch abgesehen von den externen Exponaten ist das eigentliche Hauptexponat das Neuen Palais selbst, wie der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärtenm, Hartmut Dorgerloh, betonte. Das prunkvolle Schloss am westlichen Ende von Park Sanssouci, das Friedrich nach dem siebenjährigen Krieg erbauen ließ, sei opulentes Siegeszeugnis und gebautes Vermächtnis zugleich.

Nahezu alle Räume im Neuen Palais werden für die Besucher geöffnet. Rund ein Drittel der 72 Kabinette und Säle sind laut Dorgerloh zum ersten Mal überhaupt oder erstmals seit Jahrzehnten wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Dazu gehören etwa das Tressenzimmer, in dem für die Ausstellung die dunkelroten Seidentapeten mit den aufgenähten Goldtressen restauriert wurden. Oder das jahrzehntelang verschlossene Kleine Lesekabinett, in dem sich Friedrich mit seinen Hunden aufgehalten und gelesen hat. Erstmals öffentlich zugänglich ist die Wohnung des Marquis d’Argens.

Größte Ausstellung in der Geschichte der Stiftung

Nach den Worten Dorgerlohs ist “Friederisiko” die größte und aufwendigste Ausstellung seit Gründung der Stiftung vor rund 20 Jahren. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) ging in seiner Eröffnungsrede sogar noch weiter: “So etwas hat die Region Berlin-Brandenburg noch nie gesehen.”

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) lobte, dass die Ausstellung nach unrealistischer Verklärung und ideologischer Verdammung in den vergangenen Jahrhunderten nun ein wissenschaftlich differenziertes Bild des Preußen-Königs zeige. Er verwies zudem darauf, dass das Neue Palais das einzige noch weitgehend im Originalzustand erhaltene Schloss aus dem 18. Jahrhundert in ganz Deutschland sei.

Neben Neumann und Platzeck waren auch zahlreiche Minister und Abgeordnete zu der Eröffnungsfeier gekommen – eigens wegen “Friederisiko” hatte der Landtag seine Sitzung am Donnerstag verkürzt. Auch ein Nachfolger von Friedrich dem Großen war unter den Gästen: Georg Friedrich Prinz von Preußen.

www.friederisiko.de

(rockefeller-news/dapd)

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