19. Januar 2012

Unternehmen soll reorganisiert werden. (Foto: dapd)
Der Fotopionier Eastman Kodak hat mit seinen Tochterunternehmen in den USA Insolvenz nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts angemeldet. Ziel sei die freiwillige Reorganisation des Fotografie-Pioniers, teilte Kodak am Donnerstag auf seiner Webseite mit. Ausländische Tochterunternehmen seien nicht betroffen. Der Vorstandsvorsitzende Antonio Perez erklärte, der Antrag auf Gläubigerschutz sei “ein notwendiger Schritt und das Richtige für die Zukunft von Kodak”.
Die Umstrukturierung soll im Lauf des Jahres 2013 abgeschlossen werden. Auf seiner Website versicherte Kodak, es sei ausreichend Geld vorhanden, um Verkäufer, Lieferanten und andere Geschäftspartner zu bezahlen. Am Donnerstagmorgen erklärte das Unternehmen, es habe sich eine Finanzierung in Höhe von 950 Millionen Dollar der Citigroup gesichert, der Geschäftsbetrieb und die Zahlung der Löhne und Gehälter könnten damit fortgeführt werden.
Bereits seit mehreren Wochen war darüber spekuliert worden, dass das 131 Jahre alte Unternehmen Gläubigerschutz beantragen könnte. Im November hatte Kodak für das dritte Quartal 2011 ein Minus von 222 Millionen Dollar (171 Millionen Euro) ausgewiesen. Es war der neunte Quartalsverlust innerhalb von drei Jahren. Die Bargeldreserven seien binnen drei Monaten um zehn Prozent zurückgegangen, hieß es damals.
Seit Juli sucht der Konzern daher einen Käufer für seine rund 1.100 Patente im Zusammenhang mit digitaler Bild-Erstellung. Diese könnten Experten zufolge zwei bis drei Milliarden Dollar (1,5 bis 2,3 Milliarden Euro) einbringen. Im November erklärte das Unternehmen, wenn die Patente nicht verkauft würden, drohe in einem Jahr das Bargeld auszugehen. Auch unter Chapter 11 wolle Kodak weiterhin das nichtstrategische geistige Eigentum des Unternehmens verkaufen, hieß es nun.
Kein Stellenabbau angekündigt.
Allerdings hatte die Internationale Handelskommission der USA eine Entscheidung in einem Patentstreit zwischen Kodak und den Smartphone-Herstellern Apple und Research in Motion (RIM) im Dezember um neun Monate verschoben. Kodak wirft Apple und dem Blackberry-Hersteller vor, eine patentrechtlich geschützte Technik zur Vorschau von Fotos zu benutzen.
Zuletzt hatte Kodak riesige Summen in die Entwicklung neuer Tintenstrahldrucker investiert. Die Produktlinie steht inzwischen am Rand der Profitabilität. In der vergangenen Woche hatte Kodak eine Vereinfachung seiner Unternehmensstrukturen bekannt gegeben. Seit Jahresbeginn besteht der Konzern nur noch aus zwei statt aus drei Einheiten. Ziel sind Einsparungen und ein beschleunigter Umbau hin zu digitalen Geschäftsfeldern.
Stellenstreichungen wurden im Rahmen des Antrags auf Gläubigerschutz nicht angekündigt. Kodak hat bereits einen drastischen Stellenabbau hinter sich: Vor einem Jahrzehnt arbeiteten noch 70.000 Menschen für das Unternehmen, heute sind es noch 19.000.
Deutsche Kodak nicht betroffen.
Die deutsche Kodak ist von der Insolvenz des US-Mutterkonzerns nicht betroffen. Ein Sprecher des deutschen Tochterunternehmens sagte am Donnerstag auf dapd-Anfrage in Stuttgart, die Insolvenz habe “keine Auswirkungen auf den deutschen Standort” mit rund 900 Mitarbeitern.
Kodak Deutschland hat seinen Sitz in Stuttgart, wo das Marketing, der Vertrieb und das Management mit rund 220 Mitarbeitern angesiedelt sind. Am Produktionsstandort im niedersächsischen Osterode im Harz sind rund 560 Mitarbeiter beschäftigt. Zudem gibt es kleinere Standorte in Kiel und München.
(rockefeller-news/dapd)
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