14. Januar 2011

Gute Kommunikation im Netz nach Regeln der Netiquette (Foto: Gerd Altmann / pixelio.de)
Haigerloch/Nürtingen. Millionen von Menschen kommunizieren täglich über das Internet. Beim eifrigen Mailen, Bloggen und Chatten vergessen allerdings manche von ihnen nicht nur die Grundlagen der Orthografie sondern auch die gute Kinderstube. “Viele Internetnutzer haben sich allzu lockere Verhaltensweisen angewöhnt”, klagt Kristin Koschani-Bongers, Etikette-Trainerin aus dem baden-württembergischen Haigerloch. Da würden Grußformeln vernachlässigt, Professoren geduzt und die Rechtschreibung ignoriert.
Damit die Sitten nicht verrohen, gibt es schon lange die Netiquette ohne die – ähnlich wie bei der Verkehrsordnung – das blanke Chaos herrschen würde. Das Wort Netiquette ist ein Kunstwort aus “Net” und “Etiquette” und regelt den Umgang der Internetnutzer untereinander. “Hält man sich nicht an diese Regeln, besteht das Risiko, dass man bei der Kommunikation per Mail sowie in Foren und Chatrooms ignoriert wird”, erklärt Thor Alexander, Autor des Buches “Elektronischer Knigge”.
Der Internet-Experte aus dem schwäbischen Nürtingen erklärt auch, weshalb unter anderem Rechtschreibung und Grammatik bei der Netiquette eine so große Rolle spielen: “Wenn ein Text beispielsweise ausschließlich in Kleinbuchstaben verfasst ist, erschwert das das Lesen ungemein”, sagt Alexander. Zudem vermittle es den Eindruck, der Kommunikationspartner sei nicht wichtig genug, da der Autor sich keine Zeit für Rechtschreibung und Wortwahl genommen habe.
Auch Rechtschreibfehler und falsch gesetzte Satzzeichen seien fatal. “Für einen Ausländer und Legastheniker beispielsweise wird aus einem Begriff ein völlig neues Wort, wenn Buchstaben fehlen”, gibt Alexander zu bedenken. Zudem wirke der Autor eines fehlerhaften Texts inkompetent.
“Mails nehmen heutzutage in der zwischenmenschlichen Kommunikation einen großen Raum ein. Es ist wichtig, dass man hier auf die angemessene Form achtet”, sagt Kristin Koschani-Bongers. Grundsätzlich unterscheide sich die E-Mail stilistisch nicht vom Brief. Zwar sei sowohl auf dem Papier als auch in Mails inzwischen eine etwas entspanntere Kommunikation üblich – “Korrekte Anrede, Schlussformel und die Angabe einer Signatur sind aber Pflicht”, betont die Etikette-Trainerin. Universitätsprofessoren reagierten beispielsweise mitunter verschnupft, wenn ihre Studenten sie in E-Mails mit einem jovialen “Hi Prof” ansprechen. “Man sollte sich gut überlegen, mit wem man da kommuniziert”, betont Koschani-Bongers.
Ein weiterer Verstoß gegen die Netiquette ist es, Leute unnötigerweise mit E-Mails zu belästigen, indem man ihre Adresse im CC-Feld einträgt. “Das sollte man nur bei den Leuten tun, die der Inhalt dieser Mail auch wirklich betrifft”, betont Koschani-Bongers. Zudem sollte man darauf achten, die Mailadressen anderer Leute nicht auf diese Weise an Dritte weiterzugeben.
In Internetforen und Chatrooms werden mitunter kontroverse Themen heftig diskutiert. “Wichtig ist, dass man stets sachlich bleibt, die Meinungen anderer respektiert und natürlich niemanden beleidigt”, betont Thor Alexander. Wer einen Konflikt klären will, sollte dies nicht in einem öffentlichen Forum tun, sondern die Möglichkeit der persönlichen Nachricht an den Verfasser nutzen. Veröffentliche man einen Kommentar, sollte man ihn zudem zumindest mit seinem Pseudonym kennzeichnen – “Eine Kritik von ‘anonym’ ist wenig wert”, sagt Alexander, da derjenige zu seiner Meinung nicht steht, weil er sich nicht zu erkennen gibt.
Der Netiquette-Experte rät außerdem dazu, in der Internetkommunikation auf Abkürzungen und Smileys zu verzichten. “Viele Leute kennen die Bedeutung dieser Symbole nicht und verstehen deshalb den Hinweis nicht”, gibt er zu bedenken. Oft würden solche Hilfsmittel verwendet, um eine ernste oder unfreundliche Aussage lustiger erscheinen zu lassen. “Aber nur, weil ein Smiley dahintersteht, bedeutet das nicht, dass der Leser den Satz als lustig auffasst”, betont Thor Alexander. Besser sei es, auf Zweideutigkeiten in der geschriebenen Kommunikation ganz zu verzichten.
Schließlich weist der Experte in Sachen Benimm im Netz auch noch darauf hin, dass möglichst keine persönlichen, intimen Dinge über andere ausgeplaudert werden. Und auch mit den eigenen Daten sollte man diskret umgehen. “Verschiedene online veröffentlichte Details lassen sich schnell zusammenfügen – das macht Identitätsklau einfach”, warnt Thor Alexander.
Leider, so bedauert der Experte, halten sich längst nicht alle Internetnutzer an solche einfachen Regeln des guten Stils. “Wenn sich jemand danebenbenimmt, sollte man ihn erst einmal direkt auffordern, den Eintrag zu löschen”, sagt Thor Alexander. Ansonsten könne man den Forenbetreiber darum bitten, den Eintrag umgehend zu entfernen. “Je länger etwas im Netz steht, desto höher ist das Risiko, dass es sich verbreitet”, warnt der Experte – “Das Internet vergisst nie!”
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Buch-Tipps zum Thema:
- Thor Alexander: “Elektronischer Knigge: Netiquette und Verhaltensregeln für die berufliche und private Tele- und Onlinekommunikation”, Rhombos-Verlag, 2006, 18,80 Euro, ISBN: 978-3937231549
- Ralf Höcker, Klemens Skibicki, Frank Mühlenbeck: “Lexikon der Internetfallen: Was Ihnen im Internet blühen kann und was Sie dagegen tun können”, Ullstein, 2010, 8,95 Euro, ISBN: 978-3548373225
- Thomas R. Köhler: “Die Internetfalle: Was wir online unbewusst über uns preisgeben und wie wir das WorldWideWeb für uns nutzen können”, Frankfurter Allgemeine Buch, 2010, 19,90 Euro, ISBN: 978-3899812305
- Christoph Moss: “Vielen Dank für Ihre E-Mail: Kurioses, Wissenswertes und Hilfreiches rund um das Kommunikationsmittel Nummer 1″, Frankfurter Allgemeine Buch, 2010, 17,90 Euro, ISBN: 978-3899812312
- David Shipley, Will Schwalbe: “Erst denken, dann senden! Die peinlichsten E-Mail-Pannen und wie man sie vermeidet”, Heyne, 2008, 8,95 Euro, ISBN: 978-3453600768
(dapd; rockefeller-news/up)
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Ortwin Oberhauser - Dipl. Fachwirt für angewandte Informatik - ist seit 1997 als SEO tätig und hat sich neben SEO auf Social Media, Branding und Reputation Management spezialisiert. Ortwin berät vorwiegend E-Commerce, Tourismus und Medienunternehmen. Zu seinen Kunden zählen z.B.: das größte österreichischen Online Software Haus Waltersoftware.de und das Vorarlberger Medienhaus. Von 2004 bis 2008 hat Ortwin in Dubai gelebt und war dort als SEO & Corporate branding Berater für die EHF - Dubai Media City tätig. Seit 2004 betreibt Ortwin neben seiner Tätigkeit als SEO und Webentwickler die 1. Internationale Community der gelebten Gastfreundschaft „International Guest Certified Hotels“. Diese Community ist eine internationale, nicht auf Gewinn ausgerichtete, NGO.
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