04. August 2011
Der Mann hat einen handwerklichen Beruf und die Frau ist Sekretärin. So stellen sich heute noch viele die Rollenverteilung im Berufsleben vor. Die Klischees mit denen Frauen oft zu kämpfen haben lasten schwer. Doch es gibt viele Ausnahmen. Immer mehr emanzipierte Frauen ergreifen Berufe, die ursprünglich als typische Männerdomänen galten. Auch Katrin Rehm ist eine dieser Frauen. Auch wenn sich die 24-Jährige innerhalb ihres Maschinenbau Studiums an der Hochschule Pforzheim University mit Normen beschäftigt, so lässt sie sich doch nicht von der gesellschaftlichen Rollenverteilung einschränken.

Katrin Rehm und ihre Projektgruppe nach Beendigung ihres Erstsemesterprojektes (Foto: privat)
Katrin, wie bist du darauf gekommen, Maschinenbau zu studieren?
Ich bin eigentlich über viele Umwege erst zum Maschinenbau Studium gekommen. Nach meiner mittleren Reife habe ich zuerst einen kaufmännischen Beruf gelernt. Nachdem ich mit der Ausbildung fertig war, wurde ich in einer Abteilung eingesetzt, die beides vereinte, sowohl den kaufmännischen, als auch den technischen Bereich. Da habe ich erst gemerkt, dass ich mich sehr für Technik interessiere. Daher beschloss ich nach einigen Jahren meine Fachhochschulreife nachzumachen um ein Studium aufnehmen zu können. Zuerst wollte ich Wirtschaftsingenieurwesen machen. Nachdem ich mich eingehend informiert hatte, war mir dies aber zu untechnisch. So kam ich auf Maschinenbau.
Deine Mitstudenten sind ja hauptsächlich männlich, wie reagieren diese auf dich als weibliche Kommilitonin?
Einige waren mit gegenüber zuerst etwas skeptisch. Jungs haben es auf diesem Gebiet etwas einfacher, da sie sofort akzeptiert werden. Ich musste mich durch gute Noten und viel Fachwissen erst ihnen gegenüber behaupten. Doch als sie gesehen haben, dass ich als Frau es genauso gut drauf habe wie sie selbst, war ich voll integriert. Mit meinen Mitstudenten verstehe ich mich super.
Gab es speziell negative oder auch positive Erfahrungen?
Wirklich negative Erfahrungen habe ich keine gemacht. Ich musste mir lediglich meinen Respekt erarbeiten, aber das war mit vorher eigentlich schon klar. Ich finde es auch nicht schlimm, denn in der wirklich Berufswelt wird genau das wieder auf mich zukommen. Der Beruf ist nun einmal immer noch in Männerhand.
Positiv finde ich, dass man sich sehr um die wenigen Frauen bemüht, die diesen Studiengang ergreifen. Die Hochschule hat auch dieses Jahr wieder am Girls Day teilgenommen, bei dem 14- bis 16-jährigen Mädchen technische Studienfächer näher gebracht werden. Ich finde das super, denn ich denke, man sollte Mädchen unterstützen, das zu tun, was sie wirklich wollen und ihnen nicht irgendwelche Berufe aufzwängen, nur weil das die Gesellschaft eben so vorgibt.
Bis jetzt hatte ich auch leider nur eine weibliche Professorin. Ich fände es schön, wenn sich auch das in Zukunft etwas ändern würde und es mehr weibliche Professoren an der technischen Fakultät geben würde.
Wie reagieren die Leute, wenn du ihnen erzählst, dass du Maschinenbau studierst?
Sie schauen mich ungläubig an. Versichern sich, ob das wirklich wahr ist. Die nächste Reaktion ist die schlichte Frage: Wie bist du denn darauf gekommen? Wenn ich ihnen diese Frage dann beantworte, dann verstehen sie es aber doch meistens und sind begeistert. Den meisten Frauen, die ich kenne, die auch etwas technisches studieren, geht es genauso.
Wo siehst du dich in 10 Jahren?
Hoffentlich arbeite ich dann glücklich in meinem Beruf und lerne noch viele neue aufregende Dinge kennen. Familie stelle ich daher erst einmal hinten an. Momentan ist das für mich noch kein Thema.
Was würdest du anderen Frauen raten, die sich in einem technischen Studiengang behaupten wollen?
Selbstsicher auftreten und sich vor allem grundlegend informieren. Denn die meisten Jungs haben doch Vorwissen, wenn sie mit ihren Vätern an den Autos rumschrauben oder dergleichen. Denn nur mit fundierten Wissen kann man sich den Respekt der männlichen Mitstudenten erarbeiten. Und auf keinen Fall von den Männern verunsichern lassen. Wenn man es wirklich machen will, soll man es auch durchziehen und sich nicht reinreden lassen.
(rockefeller-news/ks)
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