Atomkraftgegner fordern Aufklärung über Fukushima-Unglück

07. März 2012

Japan kämpft um die strahlenbelasteten Gebiete. (Foto: dapd)
Japan kämpft um die strahlenbelasteten Gebiete. (Foto: dapd)

 

Knapp ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima fordert die atomkritische Ärztevereinigung IPPNW vom Kernkraftwerkbetreiber Tepco eine umfassende Aufklärung über die Vorfälle. Es gebe noch viele offene Fragen und Unstimmigkeiten, kritisierte IPPNW-Atomexperte Henrik Paulitz am Dienstag in Berlin. “An den Darstellungen wird rumgetrickst”, fügte er hinzu. Das Kraftwerk habe unglaubliche Sicherheitsdefizite gehabt, zahlreiche Systeme seien bereits durch das Erdbeben ausgeschaltet worden.

Paulitz kritisierte weiter, dass bis heute kein Bildbeweis vorgelegt worden sei, dass der Atommeiler überhaupt durch den Tsunami überschwemmt wurde. Zudem werde die Höhe der Welle von Tepco mit 14 Metern beziffert – sechs Meter höher als im offiziellen Bericht der japanischen Regierung.

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Fukushima Abschaltung dauert 40 Jahre

22. Dezember 2011

Fukushima

Für die Abschaltung des AKW in Fukushima berechnet die japanische Regierung 40 Jahre. (Foto: dapd)

Wie die japanische Regierung nun mitteilte, soll die Demontage des im Frühjahr 2011 zerstörten Atomkraftwerks Fukushima ganze 40 Jahre lang dauern.

Umweltminister Goshi Hosono gab am Mittwoch in Tokio bekannt, dass der Abbau in mehreren Etappen erfolgen soll. Nach dem Unglück am 11. März 2011 sei es nun zunächst wichtig, das Brennmaterial aus der Anlage zu entfernen. Diesen Schritt nannte die Regierung als ersten, der in nächster Zeit erfolgen soll. Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll diese Entfernung über die Bühne gehen.

Danach wird mit der Bergung des in den Abklingbecken des im Atomkraftwerk lagernden und ausgedienten Brennmaterials begonnen. Auch dieser Vorgang wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Die Kühsysteme und Becken müssen für diesen Prozess neu gebaut werden, was auch wieder einige Zeit dauern wird.

Vor allem die anschließende Bergung des geschmolzenen Atommaterials in den Reaktoren eins bis drei ist extrem aufwändig. In rund zehn Jahren wird mit der Abtragung begonnen, die dann in mehr als 20 Jahren abgeschlossen sein wird.

Um den radioaktiven Müll überhaupt abtransportieren zu können, seien wiederum neue Anlagen nötig, die zunächst gebaut werden müssen, sagte Hosono.

Der Minister betonte zudem, dass Sicherheit oberste Priorität habe. Die Arbeiten sollen vor allem ohne “neue Risiken” für die Bevölkerung ablaufen, was einer ausführlichen Planung bedarf.

Erst vor Kurzem hatte die Regierung mitgeteilt, dass die sogenannte Kaltabschaltung nun geglückt sei und daher mit den weiteren Schritten begonnen werden könne.

(rockefeller-news/ks)

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AKW in Fukushima endlich unter Kontrolle?

16. Dezember 2011

Fukushima

Ein zerstörter Reaktor im AKW Fukushima. (Foto: dapd)

Die Meldungen überschlagen sich. Angeblich ist das durch einen Tsunami schwer beschädigte Atomkraftwerk Fukushima endlich unter Kontrolle. Nach neun Monaten ist also die Gefahr gebannt.

Die Regierung in Japan verkündete am Freitag, dass das Ziel erreicht sei, das im März beschädigte Atomkraftwerk in Fukushima unter Kontrolle zu bringen. Umweltschützer sehen das jedoch anders und prangern an, dass diese Aussage lediglich eine Irreführung der Gesellschaft sei.

Der “cold shutdown” (Kaltabschaltung) habe stattgefunden und das Untfergangen, das AKW damit unter Kontrolle zu bekommen, sei geglückt. Die Definition einer Kaltabschaltung besteht darin, dass die Temperatur am Boden der Druckbehälter unter 100 Grad gehalten wird. Diese Definition teilten die japanische Regierung und der AKW-Betreiber Tepco mit.

Reinhard Uhrig, der selbst Atomexperte von Global 2000 ist sagte jedoch: “Hier von Kaltabschaltung zu sprechen grenzt an eine bewusste Lüge.” Die geschmolzenen Brennelemente hätten sich lediglich durch den Boden durchgebrannt und lägen nun unter dem Reaktordruckbehälter selbst. Dort hätten sie als Klumpen auf dem Boden der Umhüllung immer noch eine Temperatur von circa 3000 Grad. Von einem sicheren Zustand könne also noch lange nicht die Rede sein.

Um die Temperatur zu regulieren besprühen die Reparaturtrupps die Reaktorkammern weiter mit Wasser. Der AKW-Betreiber Tepco hat inzwischen ein Zirkulationssystem gebaut, das die Reaktoren inzwischen stabil kühlt. Trotzdem wird das Wasser verseucht und die Entsorgung dessen stellt ein erhebliches Problem dar.

(rockefeller-news/ks)

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Japan mit Cäsium verseucht

23. November 2011

Fukushima Japan

Rund um das Atomkraftwerk in Fukushima ist das Land schwer verseucht. (Foto: dapd)

Große Teile des Landes Japan sind mit Cäsium verseucht. Ganze acht Prozent der Landfläche sind mit dem radioaktiven Material kontaminiert.

Acht Prozent des Landes, das entspricht rund 30.000 Quadratkilometern. Diese Zahl gab die Zeitung “Asahi Shimbun” bekannt, nachdem sie vom Wissenschaftsministerium veröffentlicht wurde, das die jüngste Ausgabe der Cäsium-Kontaminationskarte herausgab.

Das Problem das daraus resultiert ist, dass besonders Cäsium 137 Langzeitschäden anrichtet, die gravierende Folgen haben. Das Cäsium selbst wurde freigesetzt, nachdem im März das Erdbeben und der darauf folgende Tsunami verheerende Schäden im Atomkraftwerk Fukushima angerichtet hatten.

In mehreren Reaktoren des Kernkraftwerkes kam es aufgrund der Naturkatastrophen zu Kernschmelzen, wodurch das Cäsium an die Luft gelangte. Auch rund um das Atomkraftwerk wird die Lage nicht besser.

In Fukushima selbst und sieben weiteren Präfekturen ist die jährliche Strahlendosis deutlich erhöht und beträgt mindestens ein Millisievert.

Davon sind laut Schätzungen drei Prozent der gesamten Landfläche betroffen.

(rockefeller-news/ks)

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Fukushima droht neue Kernspaltung

02. November 2011

Eine weitere Hiobsbotschaft, die uns aus Japan erreicht. Dem Kernreaktor in Fukushima steht vor einer erneuten Kernschmelze.

Wie der Betreiber des durch den Tsunami lahmgelegten Atomkraftwerks in Fukushima berichtet, gibt es in Reaktor 2 des Kraftwerks Anzeichen dafür, dass eine erneute Kernschmelze bevorsteht. Dies gab Tepco am Mittwoch bekannt.

Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldete bereits, dass damit begonnen wurde, Borsäure in den Reaktor einzuleiten, um das Schlimmste zu verhindern. Eine möglich Kettenreaktion soll damit unter Kontrolle gehalten werden.

Die Temperatur, der Druck und die radioaktive Konzentration im Reaktor selbst seien soweit konstant und hätten sich nicht verändert.

Tepco selbst versucht mit allen Mitteln die Situation herunterzuspielen, indem beteuert wird, dass alles nicht so schlimm sei und man Herr der Lage sei. Kyodo zitiert einen Konzernvertreter, der sagt, dass es sich um keine besonders kritische Situation handle.

Die Planungen zur Stabilisierung des Reaktors würden durch die Kernspaltung nicht beeinträchtigt und könnten wie vorgesehen eingehalten werden.

Bereits im März war das Kernkraftwerk durch einen Tsunami schwer beschädigt worden. In den Reaktoren 1, 2 und 3 ist es bereits zu Kernschmelzen gekommen. Inwieweit die jetzige Kernschmelze vorangeschritten ist, ist jedoch nicht bekannt. Sicher ist, dass Tepco alles unternehmen wird, damit die internationale Angst vor einer neuen Kernschmelze nicht geschürt wird.

Fukushima Atom

Wie steht es wirklich um das zerstörte Atomkraftwekr in Fukushima? (Foto: dapd)

(rockefeller-news/ks)

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Japan plant den Wiederaufbau

21. Oktober 2011

Japan plant mit Feuereifer am Wiederaufbau des von der Naturkatastrophe heimgesuchten Landes. Ein weiteres Mal verabschiedete deshalb die Regierung einen enormen Nachtragshaushalt, der den Wiederaufbau beschleunigen soll.

Dabei entschied das Kabinett am Freitag, dass zusätzlich zwölf Billionen Yen, das sind 113,1 Milliarden Euro, aufgebracht werden sollen, die dem Land helfen sollen. Bereits im Mai und im Juni entschied die Regierung vier Billionen beziehungsweise zwei Billionen Yen freizugeben, die für den Wiederaufbau bereit gestellt werden sollen.

Jetzt liegt es am japanischen Parlament, dem neuen Plan zuzustimmmen.

Japan Kaiser

Der japanische Kaiser Akihito verliest die Pläne zum neuen Milliardenprojekt. (Foto: dapd)

Vor allem die japanische Wirtschaft soll durch die zusätzlichen Mittel gestärkt werden. Für Japan ist es wichtig, dass sich diese wieder erholen kann. Der starke Yen sorgt dafür, dass die japanische Wirtschaft leidet.

Vize-Finanzminister Yukihisa Fujita betont, dass die “Belebung der japanischen Wirtschaft” oberstes Ziel sei. Das neue Budget sei zudem “extrem wichtig”, damit Japan wieder auf die Beine kommt.

Das Geld, das die Regierung in die Wirtschaft stecken will, soll aus Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen frei werden.

Bereits Mitte März war Japan von einem schweren Erdbeben heimgesucht worden. Darauf folgte ein schwerer Tsunami, der unter anderem das Atomkraftwerk in Fukushima zerstörte, was zu einer Atomkatastrophe führte. Die schweren Störfälle verwüsteten weite Teile der Region im Nordosten Japans.

(rockefeller-news/ks)

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Fukushima soll für lange Zeit Sperrzone bleiben

22. August 2011

Dekontaminierung Fukushima

Dekontaminierungsmaßnahmen in Fukushima. (Foto:ddp)

Fünf Monate ist es nun her, dass ein verheerender Tsunami in Japan für Chaos gesorgt hat. Mehr als 23.000 Menschen sterben oder werden vermisst. Im Atomkraftwerk Fukushima wird die größte nukleare Katastrophe seit Teschernobyl vor 25 Jahren ausgelöst.

Auch heute ist das Gebiet rund um das Atomkraftwerk noch eine Sperrzone. So wird es auch voraussichtlich noch lange bleiben. Die Region um die Atomruine Fukushima wir auch auf lange Sicht unbewohnbar sein.

“Wir können nicht ausschließen, dass es einige Gegenden geben könnte, wo es für die Bewohner für lange Zeit schwer sein dürfte, in ihre Häuser zurückzukehren.” Dies sagte der Regierungssprecher Yukio Edano am Montag.

Für die Menschen aus Fukushima, die noch immer in Flüchtlingslagern oder bei Bekannten wohnen dürfte dies ein erneuter Schlag sein. Regierungschef Naoto Kan möchte ihnen dies am Samstag persönlich mitteilen.

Das Sperrgebiet umfasst einen Kreis von 20 Kilometern rund um das Atomkraftwerk. Nur mit staatlicher Genehmigung und zusätzlicher Strahlenschutzkleidung ist es möglich, das Gebiet zu betreten. Die rund 80.000 Menschen, die zuvor in dieser Gegend gelebt hatten, müssen nun versuchen, eine neue Bleibe zu finden.

Der Betreiber Tepco gab bekannt, dass die Reaktoren bis Januar unter Kontrolle gebracht werden sollen. Zwar sinkt die austretende Radioaktivität, doch ist sie immer noch sehr hoch. Das gesamte Gebiet gilt zudem als verseucht.

Regierungssprecher Edano will zunächst weitere Strahlenmessungen durchführen und Dekontaminierungsschritte abwarten, bevor eine endgültige Entscheidung über eine dauerhafte Sperrzone gefällt wird.

(rockefeller-news/ks)

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Erneutes Erdbeben in Japan

12. August 2011

AKW Fukushima

Die Ruinen des AKW Fukushima. (Foto: ddp)

Erneut wurde Japan von einem schweren Erdbeben in der Region Fukushima heimgesucht.

Das Erdbeben hatte eine Stärke von 6.0 in einer Tiefe von 50 Kilometern. Das Epizentrum lag vor der Küste der Präfektur Fukushima. Bereits im März wurde Japan von einem Beben der Stärke 9.0 erschüttert, auf das ein gewaltiger Tsunami folgte. Dabei wurde das Atomkraftwerk in Fukushima so stark beschädigt, dass es zu einer Atomkatastrophe kam.

Berichte über Todesopfer liegen nach neusten Berichten nicht vor. Auch eine Tsunami-Warnung wurde nicht ausgegeben.

Selbst im 220 Kilometer entfernten Tokio war das Beben noch zu spüren und ließ die Häuser schwanken. Die US-Erdbebenwarte gab das Beben mit einer Stärke von 5.9 an. Der Betreiber des AKW in Fukushima, Tepco, gab an, dass keine neuen Schäden entstanden seien.

Der Betreiber des AKW Fukushima will nun Reaktor 1 mit einem Zelt abdecken. Das soll verhindern, dass weiterhin radioaktives Material austritt und Regenwasser in das System eindringt. Das Zelt soll die weitgehend zerstörte äußere Hülle ersetzen.

(rockefeller-news/ks)

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Tepcos Fukushima-Lüge: AKW war nicht erdbebensicher

16. Mai 2011

Techniker in Reaktor 1 des AKW Fukushima

Ein Techniker misst die Strahlenmenge im AKW Fukushima, Reaktor 1. (dapd)

Fukushima-Daiichi, Block 1, in der Nacht nach dem Erdbeben vom 11. März: Mitarbeiter der Betreiberfirma Tepco betreten das Reaktorgebäude, um die Schäden zu beurteilen. Doch kaum passieren sie die Sicherheitstür, schlagen ihre Dosimeter Alarm. Die Techniker evakuieren sofort. Ihre Vermutung: Das Gebäude ist mit radioaktivem Dampf gefüllt. Ausgehend von Dosimeter-Daten schätzen Experten später, dass die Strahlung in dem Gebäude bei etwa 300 Millisievert pro Stunde gelegen hat – ein hoher Wert, der einen Austritt großer Mengen radioaktiven Materials in dem Reaktor vermuten lasse.

Diesen Ablauf hat eine nicht genannte Quelle aus dem Unternehmen Tokyo Electric Power Company (Tepco) der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo geschildert. Die Aussage erhärtet einen Verdacht, den Experten schon bald nach der Katastrophe äußerten: Der Schaden an Reaktor 1 ist nicht erst mit dem Ausfall der Kühlung nach dem Tsunami entstanden, sondern bereits mit dem Erdbeben. Die Atomanlage hätte den Erschütterungen nicht standgehalten.

Das würde nicht nur bedeuten, dass Tepco von Anfang an die Unwahrheit über den Unfallhergang verbreitet hätte. Es würde auch der internationalen Nuklearindustrie einen Strich durch die Rechnung machen: Die hatte immer wieder betont, das Unglück sei ausschließlich vom Tsunami verursacht worden. Da weltweit nur die wenigsten Atomkraftwerke in Tsunami-Gegenden liegen, sei die von der Atomlobby propagierte “Renaissance der Kernenergie” durch die Ereignisse in Fukushima nicht gefährdet.

So lautet bisher auch die offizielle Version zu den Ereignissen in Fukushima: Das Erdbeben hätten die Reaktoren ausgezeichnet überstanden. Doch dann sei der Tsunami gekommen und hätte die Stromversorgung für die Kühlung außer Kraft gesetzt. Dadurch sei die Notstromversorgung angesprungen. Erst als sich deren Batterien leerten, entstanden sukzessive die Probleme, weil die Brennelemente dann nicht mehr gekühlt wurden.

Doch die Daten, die nun aus der Betreiberfirma an die Presse gesteckt wurden, nähren Zweifel an dieser offiziellen Version. “Schon das Erdbeben könnte den Reaktordruckbehälter oder die daran angeschlossenen Rohre beschädigt haben”, sagte der Tepco-Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Kyodo. Wie sonst hätte die Radioaktivität aus dem Kern bis zum Abend ins Reaktorgebäude gelangen können – wie es die Dosimeter der Arbeiter schon in der Nacht angezeigt hätten?

Bereits Ende März hatte der Ingenieur Mitsuhiko Tanaka auf einer Pressekonferenz den Verdacht geäußert, in Block 1 habe es gleich nach dem Erdbeben einen sogenannten Kühlwasserverlust gegeben. Tanaka, der früher für Babcock Hitachi gearbeitet hat und am Design für den Druckbehälter des Reaktors 4 in Fukushima beteiligt war, stützte seine These vom frühen Kühlwasserverlust auf Daten aus dem Reaktor 1. Danach hatten die Betreiber am 11. März um 16.36 Uhr – knapp zwei Stunden nach dem Erdbeben – versucht, das Notkühlsystem einzusetzen. Das reguläre System war zu diesem Zeitpunkt bereits ausgefallen. Auch die Notkühlung funktionierte nicht. Angeblich als Folge des Tsunamis.

Tanaka allerdings kam zu einem ganz anderen Schluss – der zu den jetzt bekannt gewordenen Schilderungen des Insiders passt. Tanaka rechnete vor: Die ersten verfügbaren Messdaten aus Reaktor 1 beschreiben dessen Zustand zwölf Stunden nach dem Erdbeben. Im Reaktordruckbehälter, in dem sich der Kernbrennstoff befindet, war der Druck von den üblichen 7 Megapascal (70 bar, ein Autoreifen wird mit etwa 2 bar gefüllt) auf nur noch 0,8 Megapascal gesunken. Gleichzeitig, erklärt Tanaka, “sank der Kühlwasserpegel dort rapide”. Im Sicherheitsbehälter dagegen, der den Druckbehälter umgibt, stieg parallel der Druck an, von 0,1 auf 0,8 Megapascal.

Diese Druckveränderungen sind für Tanaka ein Hinweis für ein Leck im Kühlsystem. Es sei, kommentierte er, aufgrund dieser Daten “nahezu unbestreitbar”, dass es einen Kühlwasserverlust gegeben habe. Eine Analyse, die die gleich nach dem Erdbeben gemessenen, erhöhten Strahlungswerte erklären würde.

Tanaka vermutete, dass es einen Rohrbruch am Reaktordruckbehälter gegeben habe. Der wiederum hätte nichts mit dem Tsunami zu tun gehabt. Er könne nur durch das Erdbeben entstanden sein. Viele Experten hätten dass wissen müssen oder wissen können, sagt Tanaka: “Aber sie haben geschwiegen”.

Mit dem Versagen der Notkühlung war das wichtigste Instrument der Betreiber im Kampf um die Eindämmung der Katastrophe ausgefallen. Der Reaktor war damit von Beginn an außer Kontrolle.

Sollten sich die Analyse des Experten Tanaka und die Aussage des Tepco-Insiders bestätigen, wäre klar: Die Konstruktion von Reaktorblock 1 hat dem Erdbeben nicht standgehalten. Das hätte Konsequenzen für die Kraftwerksbetreiber weltweit. Denn Erdbebengefahr besteht fast überall.

(dapd/rockefeller-news/ss)

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Written by Sebastian

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