09. Mai 2011

Barack Obama in der CBS-Sendung "60 Minutes". (CBS/Schöbel)
US-Präsident Barack Obama hat sich erstmals in einem längeren Interview zur Tötung von Osama Bin Laden geäußert. In der Sendung “60 Minutes” sprach Obama mit dem Journalisten Steve Kroft über die, so Obama, “befriedigensten Wochen nicht nur für meine Präsidentschaft, sondern für das ganze Land seit ich Präsident bin”.
Die Entscheidung, die Kommandoeinheit der Navy Seals nach Pakistan zu schicken, sei nicht leicht gefallen. “Es war vor allem deswegen schwierig, weil wir nur Indizienbeweise für seine Anwesenheit (in Abbottabad-Rockefeller-News) hatten.” Die Soldaten seien einem enormen Risiko ausgesetzt gewesen. “Doch ich hatte das Gefühl, dass der Nutzen, den Mann endlich zu erwischen, die Kosten rechtfertigte”, sagte Obama.
Der US-Präsident lobte ausdrücklich die Zusammenarbeit zwischen dem amerikanischen Geheimdienst CIA und dem Militär. Die CIA habe einen großartigen Job gemacht und innerhalb von eineinhalb Jahren alle Spuren, die seit 2001 gefunden wurden, zu einem Bild zusammengefügt. “So konnten wir den Kurier Bin Ladens identifizieren, der uns zu seinem Versteck führte”, sagte Obama.
Im August 2010 seien CIA und Militär erstmals mit Informationen über das Versteck zu ihm gekommen, sagte Obama. “Ich erklärte ihnen: Während ihr Geheimdienstler weiter an den Beweisen arbeitet, sollten wir einen Aktionsplan ausarbeiten um zu wissen, was wir tun, wenn es wirklich Bin Laden ist, wie wir an ihn rankommen ”
Der Präsident sei von Anfang an in die Pläne eingeweiht gewesen, habe die Details aber den Experten überlassen. “Unsere Spezialkräfte haben mich regelmäßig auf dem Laufenden gehalten”, sagte Obama. “Wir hatten mehrere Treffen im Situation Room im Weißen Haus. Wir hatten die Pläne und ein Modell des Hauses, und wir gingen die Operation und die verschiedenen Möglichkeiten Schritt für Schritt durch.” Dabei sei man sich der Gefahr bewusst gewesen, Soldaten am Boden einzusetzen, sagte Obama. Doch die US-Führung wollte unbedingt Beweise für den Tod des Al-Kaida-Chefs haben, wichtige Informationen sammeln und zivile Opfer vermeiden. Ein Luftschlag, wie es einige Experten vorgeschlagen hatten, lehnte der Präsident daher ab.
Obama erlaubte sich im Interview auch einen Seitenhieb auf Amerikas ehemaligen Staatsfeind Nummer eins. “Es ist doch wirklich Ironie, dass sich Bin Laden stets als asketischer Mensch darstellte, der in einer Höhle lebt. Dabei wohnte er in einem millionenschweren Anwesen in der Vorstadt.”
Der Präsident übte indirekt Kritik an der pakistanischen Regierung und dem Geheimdienst des Landes. “Wir waren schon überrascht, dass er offenbar bereits fünf oder sechs Jahre in diesem Haus wohnte, ohne aufzufallen”, sagte Obama. Obama verteidigte die Entscheidung, die Regierung in Islamabad nicht vorab zu informieren. “Ich habe weder den meisten Menschen im Weißen Haus noch meiner eigenen Familie etwas davon gesagt”, so Obama. “Wir glauben, dass es eine Art Netzwerk zur Unterstützung von Bin Laden in Pakistan gegeben haben musste. Das müssen wir und die pakistanische Regierung jetzt untersuchen.”
Obama rechtfertigte die Aktion nachträglich auch mit Verweis auf sein Wahlkampfversprechen aus dem Jahr 2008. “Erinnern Sie sich, als Präsidentschaftskandidat wurde ich scharf kritisiert als ich sagte, ich würde Bin Laden auch in Pakistan jagen. Das hat mir damals viel Kritik eingebracht”, erinnerte Obama Steve Kroft. Er nahm damit auch indirekt Bezug auf die jetzt laut werdenden Vorwürfe, die Aktion habe die Souveränität Pakistans verletzt. “Ich war mir sicher, dass wir hier eine strategische Pflicht zu erfüllen haben.”
(rockefeller-news/ss)
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